Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 7. (1954) – Festgabe zur Hundertjahrfeier des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung

REGELE, Oskar: Die Schuld des Grafen Reinhard Wilhelm von Neipperg am Belgrader Frieden 1739 und an der Niederlage bei Mollwitz 1741

396 Oskar Regele auf Seite 393 wiedergegebenen Kritik Khevenhüllers bemerkt Duncker76), es sei diese „Kritik... nicht unbegründet mit Rücksicht auf die Schlagfertigkeit der schlesischen Armee... Aber auch ihm (Khevenhüller) konnten ja die politischen Motive nicht unbekannt sein, welche den Hof bestimmt hatten, den Feldherrn zur Aktion in Schlesien zu drängen. Gelang es, die Kriegslage dort günstig zu gestalten, so war die Stellung der Königin augenblicklich verändert, es waren Alliierte zu haben . .. vom politischen Standpunkte ... wäre das Preisgeben einer ererbten Provinz ... ein Einge­ständnis der Schwäche gewesen ... Da vorläufig nur Preußen in Waffen stand, galt es den Versuch zu wagen, sich mit gesammter Kraft auf diesen ersten Angreifer zu werfen.“ Es muß natürlich auch in der Außenpolitik kühnen Wagemut geben, denn die Kampfregeln sind dort dieselben wie im Militärischen und es ist die größte Kunst des Staatsmannes, harte Gegebenheiten und Erfolgs­aussichten richtig abzuschätzen. Der Gedanke, rasch zu handeln, war 1741 außenpolitisch unzweifelhaft logisch, die Bedachtnahme auf die zu geringen eigenen Machtmittel setzte sich aber nicht genügend durch. Wie bewun­dernswert war die weise Einsicht Maria T h e r e s i a s, als sie am 16. 4. 1741 an den geschlagenen General die Zeilen richtete 76): „... sind Wir doch weit entfernt, die mindeste Schuld hierunter Dir beizumessen . . Was die Schlacht selbst betrifft, kann es sich hier nur darum handeln, einige besonders markante Momente herauszugreifen. N e i p p e r g war es durch seinen Aufmarsch gelungen, die Preußen von ihren Verbindungen abzuschneiden, sodaß diese den Kampf aufnehmen mußten. Infolge dichten Schneegestöbers und ablehnender Haltung der lutheranischen Bevölkerung setzte die Aufklärung aus und die Preußen überfielen zunächst die öster­reichische Reiterei mit Artilleriefeuer. Um sich dem Feuer zu entziehen, setzte der Kommandant der Kavallerie, General Ernst Felix v. Römer, initiativ zum Angriff an, brachte die preußische Aufstellung in Unordnung, fiel aber während des Kampfes. Römers eigenmächtiges Vorgehen störte Neippergs Dispositionen, doch behielt Neipperg die Leitung der Schlacht fest in der Hand, er griff überall persönlich ein und verlor drei Pferde unter dem Leibe. Vor der heranbrausenden österreichischen Kaval­lerie war unterdessen Friedrich II. vom Schlachtfeld geflohen und alles stand auf des Messers Schneide. „In der ganzen Armee war nur ein Matnn von Kopf und Erfahrung, der Graf von S c h w e r i n“, sagte der König, und dieser General sammelte seine Infanterie zu derartigem Wider­stand, daß Neippergs zahlenmäßig und qualitativ unterlegene Batail­lone nicht mehr durchzudringen vermochten und sich der Feldherr ent­schließen mußte, die Schlacht abzubrechen. Die Niederlage war nach fünf­stündigem heißen Ringen gegen eine anderthalbfache Übermacht keines­76) „Mil. u. pol. Aktenstücke . . .“, S. 198 f. "6) Duncker: „Mil. u. pol. Aktenstücke .. .“, S. 182 f.

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