Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 7. (1954) – Festgabe zur Hundertjahrfeier des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung

REGELE, Oskar: Die Schuld des Grafen Reinhard Wilhelm von Neipperg am Belgrader Frieden 1739 und an der Niederlage bei Mollwitz 1741

394 Oskar Kegele hältnis mehr als 3 : 1. Außerdem hatte die feindliche Artillerie militärische Bespannungen, die österreichische hingegen bloß Bauern-Vorspann, der bei den ersten Schüssen das Weite suchte, wodurch auch einige Geschütze ver­loren gingen. Nur die Kavallerie war vollwertig und auch zahlenmäßig mit 8500 Reitern den 4000 preußischen Reitern überlegen. Die Finanzen waren zerrüttet, Seuchen wüteten unter den Truppen und der Kommandoapparat lag im argen. Seckendorf, Wallis, Königs­egg und Hildburghausen waren geschlagene Feldherren, Schmet- t a u verließ Österreich, N e i p p e r g war noch in Haft und unter den übrigen kam nur Khevenhüller in Betracht. Zusammenfassend kennzeichnet der „österreichische Erbfolgekrieg 1740—1748“ 69) die Rüstungslage im Frühjahr folgender Art: „So wird es begreiflich, daß Feldzeugmeister Graf Neipperg noch Anfangs März 1741, also dritthalb Monate nach dem preußischen Einfalle, die beweglichsten Vorstellungen über den Zustand seiner Armee machen konnte. Da waren der Regimenter zu wenig, diese selbst aber weit unter dem Stande, nicht mit der Feldausrüstung versehen, der Proviant-Stab und das Proviant-Fuhrwesen erst in der Errichtung, in den Proviant-Magazinen noch viel zu wenig Vorrat, die Feld-Artillerie erst im langsamen Aufmärsche aus Böhmen auf dem Wege über Mähren nach Schlesien, die Pontons aus Peterwardein noch weit unten in Ungarn, die in schlechtem Bauzustand befindlichen Festungen weder mit Besatzung, noch mit Artilleristen hinreichend versehen usw. Fürwahr ein so trostloses Bild, daß auch eine starke Männerseele hätte verzweifeln können.“ Maria Theresia hielt die Lage bei ihrem Regierungsantritt trotz ihrer Jugend mit staunenswertem Scharfblick fest: „... Complet waren Sie (die Truppen) nicht einmal zur Helffte: Niedergeschlagen waren selbe, und vornehmlich die Infanterie, und Mangleten durchaus von allen: ein großer Theil von Hungarn nebst dem Banat, Siebenbürgen und Sclavonien ware von der leydigen Pest inficiret und die gränzen von allen Seiten offen: Nicht Mehr alss etliche 1000 gulden waren allhier in denen Cassen... und anstatt dass kurz zuvor, alss um die Ein-Quartierung in denen Teut- schen Erb-Landen die Frage ware, die aus Schlesien anhero eingeloffene — durch die Böhmische Canzley unterstüzet wordene Bericht die Unmöglich­keit vorstelleten das Naturale für blosse zwey Cavallerie Regimenter in land zu finden, fande der König Mittel, seine ganze Armee Reichlich und Bequem das ganze Jahr hindurch alda subsistiren zu machen ...“ 70). Die unzureichende Rüstung bemängelte die Regentin auch bei anderen Gelegenheiten. Nach Arneth71) fand sie es unbegreiflich, „dass nach ausgebrochenem Krieg dem Ministerio nicht beygefallen, eine größere Macht dem König von Preußen gleich anfangs entgegenzustellen, dann hätte * 7 «») I. Bd„ S. 477. 7°) Arneth „Zwei Denkschriften ...“, S. 327. 7») „Zwei Denkschriften ...“, S. 328.

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