Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 5. (1952)
REGELE, Oskar: Das ungarische Kriegsarchiv
422 Literaturberichte von ihm lancierten Schrift „Napoléon III et l’Italie“, in welcher der Plan des italienischen Staatenbundes unter dem Ehrenvorsitz des Papstes aufgewärmt wird. Pius IX. sollte als unwissendes Werkzeug der zu Plombiéres geschmiedeten Ränke für den Plan gewonnen werden, Österreich aus Italien hinauszumanövrieren. Ein Pariser Buchhändler verkaufte eine Landkarte, wie Europa 1860 aussehen werde und auf welcher die weltliche Macht des Papstes bereits auf Rom und Umgebung beschränkt war. Über Auftrag von Lord Malmesbury fuhr der britische Botschafter in Paris Lord Cowley nach Wien, um die Haltung Österreichs in den italienischen Fragen zu erforschen. Von ihm erfuhr der Nuntius in Paris, daß Franz Joseph, „um einen desaströsen Krieg“ zu vermeiden, zu Konzessionen an Frankreich geneigt sei, und diese bestanden nicht zuletzt in der Willfährigkeit gegenüber der römischen Politik Napoleons. Cowley schrieb um diese Zeit: Die Stärke des Papstes liegt in seiner Schwäche, und wohl mögen wir fragen: Was könnt ihr mit einem Manne anfangen, der, sobald Druck auf ihn ausgeübt wird, ausruft: „Thut mit mir, was ihr wollt; treibt mich aus Rom, aber bedenket, daß ich Papst bin und bleibe, ich mag auf dem Throne des hl. Petrus oder auf einem nackten Felsen sitzen“ 3). Napoleon wollte den Krieg hinausschieben, vielleicht vermeiden, aber er war in der Hand Cavours, der mit der Veröffentlichung der Geheimverträge und dem Krieg ohne Frankreich drohte. Da Österreich, Frankreich und England ihr Interesse an der italienischen Angelegenheit bekundeten, wollte Rußland als Signatarmacht der Wiener Schlußakte nicht zurückstehen und schlug, um Österreich zu demütigen, einen Kongreß der fünf Großmächte vor. Cavour, dem wie den anderen italienischen Staaten nur eine beratende Stimme zugedacht wurde, sträubte sich dagegen „sich seinen Richtern zu stellen“, Napoleon wollte, daß sich der Kongreß mit der Errichtung eines italienischen Staatenbundes beschäftigte, der Papst zeigte sich nicht geneigt, einem Bund beizutreten, der in einen Krieg verwickelt werden könnte, Österreich verlangte zuerst die Abrüstung Sardiniens, Preußen und Großbritannien stellten sich auf die Seite Wiens und über die verschiedenen Wünsche fiel die Kongreßidee zur Freude Cavours und Frankreichs. In letzter Stunde macht Walewski einen Vorschlag in Wien: die italienischen Staaten sollten gleichberechtigt mit den Großmächten am Kongreß teilnehmen unter der Voraussetzung vorhergehender Abrüstung. Österreich war nicht bereit, sich mit seinem verhaßten Gegner als Gleichberechtigten an einen Tisch zu setzen. Piemont stimmte der Abrüstung zu. Buol inahm an, daß Napoleon, der sich der Forderung nach der Abrüstung Sardiniens angeschlossen hatte, auf Cavour einen Druck ausüben werde, und stellte das Ultimatum, seiner Sache so zuversichtig, daß er es für nicht nötig hielt, die kaiserliche Armee kriegsbereit zu stellen. Österreich war als Angreifer gebrandmarkt, das Spiel war für Cavour gewonnen, umso mehr, als Bismarck sich stärker erwies als Gerlach und die Kreuzzeitungspartei. Der Bericht Sacconis aus Paris mag zu einer Rechtfertigung Buols, der so gründlich die Lage verkannte, dienen: „In Deutschland sind die s) Official Correspondence on the Italien question, by the Earl of Malmes- burry, London 1859, p. 29, zitiert in Joh. Jos. Ign. v. Döllirger, Kirche und Kirchen, Papstthum und Kirchenstaat. München 1861, S. 640.