Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 5. (1952)
REGELE, Oskar: Das ungarische Kriegsarchiv
Rezensionen 423 Sympathien für Österreich so allgemein und so warm, daß der Deutsche Bund auch gegen seinen Willen nicht lange zögern kann, für Österreich Partei zu ergreifen. In England spricht man von Neutralität, aber die Regierung zeigt deutliche Sympathie für Österreich und wird vielleicht nicht widerstehen, sich gegen Frankreich zu erklären, sobald dieses Erfolge auf weist und seine Eifersucht erweckt. Rußland noch immer Österreich grollend, sympathisiert mit Frankreich, aber zwischen beiden Mächten besteht nicht der Vertrag, über welchen gesprochen wurde. Nach der Beurteilung der best Unterrichteten, wird sich Rußland darauf beschränken, einige Armeekorps an der Grenze aufzustellen und eine ähnliche Haltung wie Österreich im Krimkrieg einnehmen, und nicht das Schwert gegen Österreich und den Deutschen Bund ziehen. In jedem Fall wird die Zuneigung und jede noch deutlichere Kundgebung Rußlands für Frankreich England reizen und andere Potentaten bewegen, alles zu unternehmen, um Frankreich zu bekämpfen.“ Als Napoleon das Kommando der Armee übernahm, setzte er seiner Politik die Aufgabe: England und Deutschland vom Streit fernhalten und den Papst mit der Versicherung in Ruhe wiegen, daß er seine weltliche Herrschaft garantiere und die Kirche vor der Revolution schützen wolle. Die Revolution, die Napoleon meinte, war der gewaltsame Umsturz, waren Mazzini und Garibaldi, nicht aber der Fortschritt in geordneten Bahnen, den für ihn Cavour bedeutete. „Le Siede“ vernachlässigte diese Unterscheidung: „L’empereur a le bon esprit de ne pas répudier comme tant d’autres la principale alliée de la France et de l’Italie: la Révolution.“ Wie es sich in Wahrheit mit der Absicht des Kaisers verhielt, erhellt aus einer Äußerung des Prinzen Napoleon einem Whigpolitiker gegenüber: „Nous désirons laisser au Pape la ville de Rome avec un petit entourage, un jardin s’étendant ä prés d’Albano ä Tivoli. Le reste serait sécularisé et rendu á l’indépendance. Nous avons lieu de erőire que cela ne pourrait devenir une cause de rupture avec la papauté, car plusieurs zélés catholiques nous ont fait des ouvertures de ce genre.“ Ein großer Teil der katholischen Welt sah im Kirchenstaat nur eine Belastung der universalen Macht des heiligen Stuhles. Das patrimonium Sancti Petri konnte seine Aufgabe, die finanzielle Unabhängigkeit der Kurie zu sichern, nicht erfüllen, ja nicht einmal den persönlichen Schutz des heiligen Vaters gewährleisten, war dieser doch seit 1849 auf die französische Besatzung angewiesen. In Paris war man über die öffentliche Meinung der deutschen Katholiken, besonders über die Haltung Döllingers unterrichtet, der die weltliche Herrschaft für die Freiheit der Kirche für nicht nötig hielt. Die Beziehungen der Kurie zu Turin waren schon vor dem Krieg gegen Österreich gespannt. Cavour, auf die liberale Mehrheit des Parlaments gestützt, verminderte die Zahl der Bistümer und Klöster, verweigerte den Abschluß eines Konkordates, wie es kurz vorher mit Österreich zustande kam, und setzte unbeirrt sein Ziel fort, die Kirche dem Staat zu unterwerfen. Der Gegensatz seiner Regierung zur Kurie machte Viktor Emanuel das Leben schwer, da er die Hilfe des Papstes in einer häuslichen Angelegenheit brauchte. Er hatte Rosa Vercellana, die ihm zwei Söhne gebar, die Ehe versprochen. Pius IX. erteilte dem König für den Fall, daß er dem