Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 5. (1952)

REGELE, Oskar: Die italienischen Militärarchive

404 Archivberichte ITALIEN. Die italienischen Militärarchive.1) Von Oskar Regele (Wien). Wie in den meisten Staaten sind auch in Italien die Militärarchive Be­standteile des historischen Dienstes, dem auch die Bibliotheken und Museen eingegliedert sind und der für Heer, Marine und Luftwaffe getrennt einge­richtet ist. Dem historischen Dienst obliegt die Geschichtsschreibung. 1856 wurde beim piemontesischen Generalstab ein Ufficio Militare ge­gründet, das theoretische, technische und topographische Studien, Akten der Staatsverteidigung, Operationspläne und Feldakten zu sammeln und in Publikationen zu verwerten hatte. Als 1870 Rom zur Hauptstadt wurde, gelangte das piemontesische Archiv, vereinigt mit den 1860 in Turin, Alexandria, Brescia, Parma und Bologna geschaffenen Teilarchiven, in die Hauptstadt, wo es als Archi vio Storico Militare dem 1872 ins Leben tretenden Ufficio Storico unterstellt und mit diesem 1888 in das Kriegsministerium verlegt wurde. Die Bestände beginnen mit den Akten des Krim-Krieges 1854/56 und erreichten bis 1870 850 Faszikel, die sich hauptsächlich auf die Geschichte der Einigung Italiens beziehen. Akten der früheren Teilstaatenheere, der Truppengeschichte und der Ausland­unternehmungen kamen in der Folge hinzu. Der Krieg 1914/18 hat seinen Niederschlag in 13.000 Faszikeln gefunden, die durch Aktenabtretungen seitens Österreichs, Deutschlands und Ungarns Ergänzung fanden. Die Ordnung der Akten aus dem Kriege in Abessinien und aus dem zweiten Weltkriege ist noch im Zuge. An der Verwertung der Archivquellen wird rege gearbeitet. Von 1900 bis 1914 erschien die Zeitschrift „Memorie storiche militari“, vergleichbar den „Mitteilungen des k. u. k. Kriegsarchivs“. Truppengeschichten brachte 1938 der „Annuario Militare Ufficiale“. Für die österreichische Geschichte sind von Interesse die Publikationen über Custoza (Pollio), Regensburg und Ulm (Guerrini). Breiten Raum nehmen jene über die kolonialen Unternehmungen (Eritrea, Adua, Somalia, Libia, Africa Orientale) ein. Das Generalstabswerk über 1915/18 ist nur bis Mai 1917 gediehen, die bezüglichen Werke von Österreich, Deutschland, England und Ungarn wur­den übersetzt. Unter den Monographien sind erwähnenswert: „Der österr.- serb. Feldzug 1914“ (Geloso), „Die Eroberung von Görz“ (Marras), „Vittorio Veneto“ (Alberti), „Monte Pasubio“ (Tosti) und „Prima difesa del Grappa“ (Baldini). Eine Sonderpublikation behandelt die österr.-ung. Kriegsberichte. 16 größere Arbeiten betreffen den zweiten Weltkrieg, von denen gesagt wird: „Die seit 1945 vom Ufficio Storico veröffentlichten Arbeiten haben Einzelheiten dargestellt, falsche im In- und im Ausland geglaubte Meinungen quellenmäßig widerlegt, den italieni­0 Aus „L’Ufficio Storico dello Stato Maggiore dell’Esercito“ (Vincenzo Longo), „L’Ufficio Storico della Marina Militare“ (Giuseppe Fioravanzo) und „L’Ufficio Storico dell’Aeronautica Militare“ (Vincenzo Lioy) in „Revue Internationale d’Histoire Militaire“, Paris, Nr. 10 (italienischer Band) von 1951.

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