Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 5. (1952)

MIKOLETZKY, Hanns Leo: Die Stadtarchive in London

Großbritannien 403 beiden legislativen Ratsversammlungen samt deren Committees, nämlich Court of Aldermen (Repertories von 1495 bis zum heutigen Tag) und Court of Common Council (von 1416 bis zur Gegenwart), ferner die Archive der Finanzverwaltung (Chamberlain; seit dem Ende des 12. Jahrhunderts) und die Archive der Stadtgerichtsbehörden (seit der Mitte des 13. Jahr­hunderts). Die politischen Archive, d. h. die älteren Urkunden (die früheste von ca. 1068/75) und Akten, die sich auf die Stellung der Stadt London innerhalb des Königreiches und auf Angelegenheiten des eigentlichen Stadt­regiments beziehen, sind in den sogenannten „Remembrancia“ zu finden, aber natürlich auch in den Rats-Handbüchern (Repertories and Journals) und in den Kammer- Rechnungsbüchern. Der Bestand beträgt über 150.000 archivalische Einheiten und ist der Forschung bis 1948 frei zugänglich (an Wochentagen von l/29 bis 17 Uhr). Als statutenmäßiger Kustos wirkt der jeweilige Town Clerk. Archivar ist derzeit Mr. Philip Edmund Jones, LL. B., F. R. Hist. S. Dazu kommt ein Archivassistent. 2. Der Guildhall Library Muniment Room (Guildhall, London, E. C. 2) ist 1824 gegründet worden und wurde 1863 und 1873 reorganisiert. Die Bestände beginnen um die Mitte des 12. Jahrhunderts. Systematisch erfaßt werden alle vorhandenen Pfarrarchive innerhalb der City of London, die erhaltenen Zunftarchive und die „Ward“-Archive, d. h. die Archive der alten Wacht- und Wahlbezirke der City. Diese drei Archivgruppen bilden den Grundstock der Sammlungen, die zur Zeit noch imer im Ausbau be­griffen sind, da sie fast monatlich wachsen. Daneben werden aufbewahrt: die Archive mehrerer städtischer Steuerbemessungen mit den dazugehöri­gen Katastern, die überlebenden Archive bedeutender Firmen und Handels­kompagnien, gewisse militärische Archive, eine sehr große Anzahl von Privaturkunden vom 12. bis zum 19. Jahrhundert (darunter die älteste Urkunde von 1158(?) und eine der sechs beglaubigten Unterschriften Shakespeares auf einer Kaufurkunde von 1612/13) und viel topographisches sowie genealogisches Material. Die Bestände sind allgemein ohne Beschrän­kung für Zwecke der Forschung und juristische Erhebungen zugänglich. Das Personal besteht gegenwärtig aus Mr. Raymond Smith, F. L. A., F. S. A., Librarian Curator, und dem Archivar Albert E. J. Hollaender, Ph. D., F. S. A., der, ein gebürtiger Wiener, seine Ausbildung am Institut für österreichische Geschichtsforschung erhalten hat. Daneben wirken ein Archivassistent und ein Techniker, da die Archive auch Werkstätten für Dokumentenreparatur besitzen. Die dort beschäftigten Personen werden an zwei Stellen ausgebildet: im Public Record Office (Repairdepartement) und an der London County Council School for graphic arts and document repair, wo jährlich Kurse mit einer abschließenden Diplomprüfung statt­finden. Aktendeposita werden in der Regel bis 1850 gemacht, doch halten sich die Depositoren nicht daran und hinterlegen auch darüber hinaus. Vorschriften betr. eine Ablieferungspflicht der in Betracht kommenden Archive bestehen nicht. (Literatur: Philip E. Jones and Raymond Smith A Guide to the records in the Corporation of London Records Office and the Guildhall Library Muniment Room. London. 1950.) 26*

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