Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 5. (1952)

MIKOLETZKY, Hanns Leo: Die Stadtarchive in London

402 Archivberichte 15. 8. 1951 näher Umrissen (vergl. Nachrichten für Dokumentation, 2. Jahr­gang, Heft 3, S. 88 ff.!). Wie in früheren Zeiten wird ein besonderes Schwergewicht auf dem Erwerb von „Nachlässen“ ruhen; man wird sich an führende Politiker, Verwaltungsbeamte, Militärpersonen, Vertreter der Wirtschaft und Industrie wenden. Darüber hinaus wird man aber auch die Zeugnisse aus anderen Kreisen bis hinunter zum einfachen Mann des Vol­kes sammeln müssen, um die Geschichte auch aus der Perspektive der Re­gierten zu sehen, um die materiellen, geistigen und seelischen Auswirkungen politischer Ereignisse und Maßnahmen im Volke kennenzulemen. Hierbei wird man sich auf zahlreiche Verbände (z. B. der Kriegsgefangenen, der Heimatvertriebenen und Landsmannschaften) stützen können, die die Sammlung des Stoffes rasch, zweckmäßig und für ihren Bereich in einer hinreichenden Vollständigkeit vorzunehmen vermögen. E. Müsebeck hat einmal vor Jahrzehnten, als er in den Anfängen des Reichsarchivs Potsdam ähnlichen Aufgaben nachsann, von der Möglichkeit eines deutschen „Natio­nalarchivs“ gesprochen. Als etwas im deutschen Archivwesen ziemlich Neues ist die Errichtung einer Abteilung Foto-, Film- und Tonarchiv beim Bundesarchiv geplant. Auch hierin sehen wir eine wichtige Ergänzung des Archivgutes, unter dem in einem engeren Sinne im allgemeinen nur Geschriebenes verstanden wird. Von einigen auswärtigen Abteilungen, die das Bundesarchiv haben wird, sei zunächst die in Frankfurt am Main genannt; es ist die frühere Abteilung Frankfurt des Reichsarchivs Potsdam, die vor allem die schrift­lichen Überlieferungen des alten Deutschen Bundes, der Nationalversamm­lung und der Reichsministerien von 1848 sowie die Hauptakten des einstigen Reichskammergerichts verwahrt. Die Anfänge des Bundesarchivs, das seine Tätigkeit mit zunächst weni­gen wissenschaftlichen Mitarbeitern aufgeuommen hat, das sich erst all­mählich die räumliche Einrichtung und die archivalischen Bestände be­schaffen muß, sind — spürbarer als anderswo — noch von der hinter uns liegenden geschichtlichen Katastrophe überschattet. Die Gegebenheiten, mit denen der Archivar hier zu rechnen hat, werden unzweifelhaft der archiva­lischen Arbeit in ihren Zielen und ihrer Methodik einen besonderen Wesens­zug aufprägen. GROSSBRITANNIEN. Die Stadtarchive in London. Von Hanns Leo Mikoletzky (Wien). Die „City of London“ besitzt zwei Stadtarchive. 1. Das Corporation Records Office (55—61 Moorgate, London E. C. 2), das als Repositorium erstmalig 1462 erwähnt erscheint, wurde 1829 re­organisiert und steht seitdem unter der statutenmäßigen Aufsicht des Town Clerks (Magistratsdirektors) sowie unter der allgemeinen Leitung des Library and Records Committees. Es enthält vorzugsweise sämtliche natürlich erwachsenen Archive der Stadtverwaltung und die Archive der

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