Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 3. (1950) – Leo Santifaller Festschrift
CORETH, Anna: Dynastisch-politische Ideen Kaiser Maximilians I.
Dynastisch-politische Ideen Kaiser Maximilians I. 89 das silber dem höchsten stand der weltlichen vergleicht. Soweit die Tradition von den Himmelslichtern. Aber diese beiden Würden müssen nun fundiert sein auf der starken Macht des einen Hauses. So dann ist das Eysin von natur starch unnd mechtig mit gold und silber zebezieren, wie dann die personen in der Eysin kettin auch mit höchsten gaystlichen und weltlichen stännden of ft gewirdiget Papst unnd Kayser worden sind 1). Diese Macht, so diser kaiser zu der cron des heiligen reichs hat2), wird an der Ehrenpforte durch Wappenreihen dargestellt, die Macht des Hausbesitzes. Aber eine andere Idee kommt hier in Erinnerung: das Ideal der Vereinigung aller drei Ketten in einer Person, das des Priesterkönigtums, wenn auch nur als Führerschaft in der Christenheit, vielleicht auch ganz von ferne die flüchtige Idee des Kaisers, selbst Papst zu werden 3). Die Vorstellung aber, daß die Mitglieder des Hauses für die höchsten Würden geeignet sind, da sie in der Vergangenheit schon oftmals diese eingenommen hatten, ist in reizender, bunter Malerei im ,,Zaiger" illustriert 4). Wieder ist hier das Mond-Sonne-Gleichnis variiert. Vertreter des Hauses Habsburg nehmen sämtliche Sprossen einer silbernen Leiter ein, die bis an ,,des Mons himmel“ reicht und die weltliche Hierarchie vom Landgrafen bis zum Kaiser versinnbildet. Eine goldene Leiter hinauf schreiten Habsburger als Geistliche, vom Einsiedler bis zum Papst, bis sie im Sonnenhimmel oben gekrönt werden 5). Eine dritte Leiter aber aus kostbarlichem edlen gestern“ rührt wie die Jakobsleiter an den höchsten Himmel, den die Habsburger als Heilige erklimmen 6). Zu diesen Würden in der Christenheit sei das Haus entsprechend den Worten, die einst Gott zu Jakob gesprochen hat, berufen: ,,Du wirst geweitert zu dem Nidergang unnd uffgang, zu mytterntag und ') Ebenda, fol. 641 ff. 2) Ehrenpforte, Erklärung des Stabius. 3) Vgl. Alois Schulte, Kaiser Maximilian als Kandidat für den päpstlichen Stuhl 1511, (1906). 4) Cod. Vind., 7892, fol. 9 ff. 5) In der Reihe der Hausheiligen kommt der Papst Leo IX. vor; vgl. Simon Laschitzer, Die Heiligen der Sipp-, Mag- und Schwäherschaft des Kaisers Maximilian I. Jahrbuch der kunsthist. Sammlungen des a. h. Kaiserhauses, Bd. V, S. 213. 6) Ich erinnere hier nicht nur an die Bedeutung, die den Heiligen aus Maximilians Geschlecht zugemessen wurde, sondern auch an die Bemerkung des Kaisers in einem Brief an seine Tochter Margarete im Jahre 1511: nun könne er Kleriker werden und Papst und dann wohl gar ein Heiliger und dann müsse sie nach seinem Tode zu ihm beten und das würde ihm sehr wohl tun. Gedr. bei Schulte a. a. O. Vgl. auch Brandi, Kaiser Karl V. Bd. 1 (München 1937), S. 40.