Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 3. (1950) – Leo Santifaller Festschrift

CORETH, Anna: Dynastisch-politische Ideen Kaiser Maximilians I.

90 Anna Coreth Mitternacht und alle Geschlechter der Erde werden gesegnet in deinem samen und ich wird dein Beschirmer sein“. Letzter Zweck der Genealogie ist ja schließlich der Nachweis, daß alles noble Blut der Christenheit im Haus Österreich vereinigt ist und daß habsburgisches Erbe sich ausgedehnt hat über alle Dynastien Europas. Lhotsky hat schon auf die zentrale Bedeutung dieses Gedankens im Gelehrten- und Künstlerkreis Maximi­lians aufmerksam gemacht unter besonderem Hinweis auf eine Schrift des Jakob Mennel, welche dieser drei Jahre nach des Kaisers Tode veröffentlicht hat 1). In sämtlichen Kaiserwerken der Zeit kehrt dieses Argument wieder und wird das ganze 16. und 17. Jahrhundert hindurch fortwirken. Der kaiserlichen Verwandtschaft ist das gesamte 4. Buch der fürstlichen Chronik gewidmet; stehen die verwandten Könige an der Ehrenpforte und schreiten sie im Triumphzug, so ist doch das monumentalste Denkmal dieser kaiserlichen Sippe das Grab­mal. Von zwei Gesichtspunkten aus sind diese Erzstandbilder aus­gewählt: sie gehören in weitestem Sinne zur Familie und sie sind zugleich die Vertreter der Länder die der Kaiser besitzt2). Geschlecht und Besitz gehören zusammen. Die uralte Stammverwandtschaft der großen Häuser der Chr stenheit beruht für Maximilian nicht nur wie das ganze Mittelalter hindurch auf dem kaiserlichen Blute Karls des Großen 3), sondern vor allem auf gemeinsamer Abstammung von den trojanischen Franken, von denen nicht nur das römische Reich und deutsch und welsch Frankreich sondern auch die kunig von Burgundj, Aquitania, Austrasia, Profanz, Lotharingia und sunst noch vil ander kunigreich und herrschaften herabgekommen sind 4). Diese Stammverwandtschaft wurde immer wieder erneuert durch Heiraten, auf denen sich bekanntlich die Erbpolitik der Dynastien und besonders Maximilians aufbaute. Fühlte er sich zur Führerschaft *) *) A. a. o. 8. 210. 2) Im ursprünglichen Programm ist das noch klarer. Vgl. Vinzenz Ober­hammer, Die Bronzestandbilder des Maximiliangrabes in der Hofkirche zu Inns­bruck. Innsbruck 1935, S. 14. Oberhammer nennt die Reihe eine „lebendige Wappenkunde“ der österreichischen Herrschaften. Und im Programm zum Triumph wird zur Gruppe „Grabbilder“ die Erklärung gegeben: die hernach getragen pilder sein die theurlich kaiser, kunig, ertzhertzog und hertzog, der schild, namen und lanndt kaiser Maximilian fuert. Vgl. Friedrich Schestag, Kaiser Maximilians I. Triumph, Jahrbuch d. kunsth. Sammlg., 1, S. 168. 3) Otto v. Düngern, Thronfolgerecht und Blutsverwandtschaft der deutschen Kaiser seit Karl dem Großen. 2. Aufl., 1910. 4) Mennel, Fürstliche Chronik. Cod. Vind. 3072x, fol. 21.

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