Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 3. (1950) – Leo Santifaller Festschrift

CORETH, Anna: Dynastisch-politische Ideen Kaiser Maximilians I.

86 Anna (.'oret h in den Häusern Sachsen, Bayern und Österreich fortfließe 1). Doch hier ist dies nur ein flüchtiger Gedanke, während im übrigen mit großem Stolz auf die magliche fruntschaft, die Verschwägerung auch mit dem Haus der Kapetinger, dem ja Maria von Burgund entstammte, hin­gewiesen wird. Gerade die uralte Beziehung zu Burgund aber war vor allem maßgebend für die Richtung der genealogischen Konstruktion: denn statt von den Karolingern entstammten die Habsburger nach Mennel den alten Königen von Burgund — nach der Holzschnittfolge der „Genealogie“ aber von den Königen der Provence. Von da erst spalteten sich mit Ottopert, dem sagenhaften Ahnherrn, dem noch im 17. Jahrhundert der Freiherr von Hohberg sein Epos widmen sollte 2), die Habsburger als eigenes Geschlecht ab, steigen herunter zur Grafenwürde, — um des Friedens willen freiwillig auf die kuniglich dignität verzichtend, die sie erst später gebührend wieder erhalten sollten. In diesem Zusammenhang gewinnt das persönliche Interesse Maximilians für die alten burgundischen Könige erst seinen vollen Sinn. Die trojanische Abstammung bot nicht nur diese Möglichkeiten des primitiven Nachweises von Vorbesitzrechten in Österreich- Burgund, Deutschland und Ungarn und der Betonung römischer und französischer Stammesgleichheit, sondern sie trug auch eine Bedeutung in sich, die sehr wesentlich ist und noch nicht genug beachtet wurde: die griechische Herkunft. Welchen Rang das Griechentum in der humanistischen Welt einzunehmen begann, braucht hier nicht eigens hervorgehoben zu werden. Nur an die eigenartige Idee des Conrad Celtis sei erinnert, nach der die Druiden, von Tiberius aus Gallien vertrieben, nach Deutschland gekommen seien und griechische Weisheit mitgebracht hätten 3); diese Ansicht verbreitete sich auch unter anderen Humanisten, die sich als Nachfolger der Druiden fühlten und klingt wieder bei Trithemius, der „in domo nostro Druidum Span­1) Epitoma, a. a. O., p. 361 ff. Schon bei Philipp dem Guten von Burgund scheint diese Vorstellung aufgeblitzt zu haben, die später von den Guisen als Waffe gebraucht wurde. Vgl. J. Huizinga, Im Bann der Geschichte. Betrachtungen und Gestaltungen. Übertragen von Werner Kaegi u. a. (Nijmegen 1942), S. 255; Kervyn de Lettenhove, in den Anmerkungen zu Froissart, t. X, p. 541. 2) Uber diesen neuerlich Otto Brunner, Adeliges Landleben und europäischer Geist. Leben und Werk Wolf Helmhards von Hohberg 1612—1688 (Salzburg 1949). 3) Vgl. Paul Joachimsen, Geschichtsauffassung und Geschichtschreibung in Deutschland unter dem Einfluß des Humanismus. 1. Teil (Leipzig 1900), S. 111.

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