Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 3. (1950) – Leo Santifaller Festschrift

CORETH, Anna: Dynastisch-politische Ideen Kaiser Maximilians I.

Dynastisch-politische Ideen Kaiser Maximilians I. 87 hamense“ 1) wirkte und in den Oden des Celtis als eigentlicher Ver­treter des Druidentums gepriesen wird 2). Wird so das neue Imperium des Humanismus auf den Fundamenten des wiederentdeekten Griechen­tums aufgebaut 3), so hat doch die griechische Herkunft eines Kaisers noch einen ganz anderen Sinn. Troja war ja nicht nur die sagenhafte zerstörte Stadt, sondern Vorläufer der östlichen Kaiserstadt Kon­stantinopel, die nun den Türken, den Heiden, den Barbaren, wie die Zeitgenossen sie nannten, in die unheiligen, usurpatorischen Hände gefallen ist. Wer wäre da eher berufen, die Nachfolge des christlichen Ostkaiserreiches zu übernehmen, als der Kaiser des Westens. Tat­sächlich übernahmen dann die Russen den Kaisertitel und die Vor­herrschaft in der Ostkirche. Daß Maximilian Zeit seines Lebens daran dachte und vor allem nach der Kaiserkrönung den großen Kreuzzug an der Spitze der Christenheit vorhatte, ist aus verschiedensten Quellen bekannt. Aber war es nicht schon von alters her so, daß der ideale römische Kaiser nicht nur Römer sondern auch Grieche sein sollte ? Als Grieche von Geburt und als Römer nach seiner kaiserlichen Herr­schaft (homo genere Grecus, imperio Romanus) nehme Otto III. die Schätze der griechischen und römischen Weisheit gleichsam wie sein Erbgut wieder in Anspruch, so schrieb Gerbert von Aurillac im 10. Jahrhundert 4). Und wieder war es Gottfried von Viterbo, dessen Ideen die maximilianischen vorbereiteten. In ipso Karolo (magno) utriusque propaginis genus concurrit. Die Nachkommenschaft des Aeneas und des Priamus sind gemeint. Mater enim Berta, cum esset filia filie imperatorum Eraclii, de genere imperatorum Romanorum et Grecorum fuit, Pipinus autem pater eius, rex Theutonicorum a genere Troiano descendit. Fuit itaque Karolus Magnus patre Theu- tonicus et matre Romanus ®). Und hundert Jahre später wird von *) Brief von 1496. Vgl. ebenda. 2) Ebenda S. 112. 3) Vgl. Richard Wallach, Das abendländische Gemeinschaftsbewußtsein im Mittelalter, Leipzig 1928, S. 51. 4) Lettres de Gerbert, publ. par Julien Havet, Paris 1889 (Coli, de textes pour servir & l’etude et & l’enseignement d’hist. fase. 6). Nr. 186, S. 172. Cit. nach Burdach, Vom Mittelalter zur Reformation, II: Briefwechsel des Cola di Rienzo, 1,S. 188; Otto III. hatte an Gerbert geschrieben, er fühle die Rohheit seines sächsischen Wesens und bitte jenen, dasFünklein wissenschaftlichen Geistes, das sich in ihm infolge seiner halbgriechischen Natur rege, zum Leben zu bringen. S. 187. 5) Speculum Regum, MG. SS. XXII, p. 21. Vgl. ebenda, p. 62: In duo divi­dimus Troiano semine ’prolem;! Una per Y faliam sumpsit dyatemata Rome, I altera Theutonica regna beata jövet. I Karolus in Berte Pipini semine ventre / Hec duo conti­nuat, conceptus utroque parente, / Romuleus matre, Theutonicusque patre.

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