Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 3. (1950) – Leo Santifaller Festschrift

CORETH, Anna: Dynastisch-politische Ideen Kaiser Maximilians I.

Dynastisch-politische Ideen Kaiser Maximilians I. (Zwei Studien.) Von Anna Coreth. 1. Die Bedeutung der fränkisch-trojanischen Abstammungstheorie für Kaiser Maximilian I. Es steht fest, daß die weitgehenden historischen Forschungen, die Kaiser Maximilian über die Geschichte seines Hauses unternehmen ließ, keineswegs ein planloses Sammeln alles Altertümlichen und daß die gewagten genealogischen Konstruktionen nicht ausschließlich Spielereien waren. Bis ins 18. Jahrhundert hinein war es ja eine der Hauptaufgaben der Genealogie, die eigene Stammreihe an ein großes, altes Geschlecht, etwa aus der antiken oder biblischen Geschichte, oder an eine große historische oder sagenhafte Persönlichkeit an­zuknüpfen; wenn Maximilian solches unternahm, so galt es damit zu beweisen, daß er und seine Nachkommen nicht nur um ihrer per­sönlichen Eignung willen, sondern auch durch Geburt zur kaiserlichen Stellung in Europa von Anfang an prädestiniert seien. Dies war der letzte Zweck sämtlicher künstlerischer und historischer Unter­nehmungen. Zu einem solchen genealogischen Nachweise wäre die Anknüpfung an die stadtrömische Abstammungssage, die am meisten Verbreitung hatte, und schon in die Zeit zurückreichte, da die Habsburger erst­malig Könige wurden, naheliegend und geeignet gewesen. Eine römische Stammverwandtschaft war wohl nicht allzu schwer zu konstruieren, bot die Weiterverfolgung bis zu einem antiken Patriziergeschlecht zurück und bot vor allem einem römischen Kaiser den Vorteil, sich dem Papst und dem römischen Stadtvolke als Römer vorzustellen J). Daher mag es verwunderlich erscheinen, daß sich Maximilian unter dem Einflüsse seines Historiographen Jakob Mennel mit aller Ent­schiedenheit gegen die römische Sage entschied, trotz der Bedeutung, 1) Vgl. zu dem ganzen Abschnitt die Übersicht über die Entwicklung der Habsburgersagen bei Alphons Lhotsky, Apis Colonna, Fabeln über die Abkunft der Habsburger. (MIÖG., Bd. 55), S. 171 ff.

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