Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 3. (1950) – Leo Santifaller Festschrift

CORETH, Anna: Dynastisch-politische Ideen Kaiser Maximilians I.

82 Anna Coretli die dem alten Rom in der humanistischen Zeit zukam. Wenn er statt dessen die fränkisch-trojanische Abstammung wählte, so mußten wichtige Gründe dafür vorhanden sein, die ich hier näher beleuchten möchte. Gewiß konnte sie die Eitelkeit befriedigen, das Geschlecht in noch ältere Vorzeit zurück zu verfolgen; sie knüpfte nicht nur an die beliebten und nun im europäischen Westen, vor allem auch in Burgund, wieder sehr lebendig gewordenen Troja-Sagen an 1), sondern sie brachte zugleich die erwünschte Stammesgleichheit mit Rom, mit den fran­zösischen Königen und führte nach dem hochaktuellen Osten, dem Ziel der Wünsche des späten Mittelalters, vor allem Maximilians, nach dem Sitz des griechischen Kaisertums. Schon seit Jahrhunderten lag ja in der trojanischen Stammsage der Franken, soweit sie von den Deutschen übernommen worden war, die Tendenz, gleich alter und nobler Herkunft mit den Römern zu sein. Zugleich seien Aeneas über Karthago nach Rom und Priamus über Ungarn nach Deutschland und an den Rhein gezogen. Wegen eines Sieges über die Alanen im Solde der Römer seien die Trojaner oder Siccambrer, wie sie dann hießen, freigelassen und ..Franci“ benannt worden. So erzählt schon Gregor von Tours im 6. Jahrhundert;, im Speculum Regum des Gottfried von Viterbo, im 12. Jahrhundert, ist aher die deutliche Bemerkung hinzugef ügt: Romanum fore Troianum natura fatetur, Germanus patriota suus fraterque videtur, Troia suis populis mater utrique fuit. . . . Iermanus populus civis Romanus habetur, Communis patrie regnum commune tenetur, Set regit imperium Roma- tenetque decus 2). Hatte bei Gottfried von Viterbo, der vier Jahrzehnte lang Hofkaplan der staufischen Kaiser Konrad III. und Friedrich I. war, diese Betonung der Stammesgleichheit mit den Römern die Bedeutung der kaiserlichen Weltmachtansprüche gegenüber den päpstlichen, so war nun die fast gleichartige, auf die Familie der Habs­’) Vgl. Lhotsky, S. 209 f. Über die Geschichte der trojanischen Habsburger­sage, ebenda, S. 203 ff. 2) Mon. Germ., Script. XXII, p. 64 s. Noch deutlicher heißt es im Prosa- Kommentar: quia tam Romani quam Germani de uno patre et semine, utpote de Priamo Magno rege Troianorum, processerunt, Germani Priamo iuniore et Antenore, ac Romani ex Enea et Ascanio geniti, quasi fratres et socii jacti sunt, ut sibi invicem essent in murum, ac isti in Germania illi vero in Roma regnarent, ita tamen, ut Germani cives Romani censerentur et ipsi Romanum imperium et monarchiam regerent, etiam adiutorio Germanorum . . . ita, ut populus Romanus et Germanicus quasi unus populus et fratres censerentur. Dieselbe Erklärung kehrt in seinem Werk Pantheon, ebenda, S. 144, wieder.

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