Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 3. (1950) – Leo Santifaller Festschrift

KOTZ, Wolfgang: Neues vom „Königsleutnant“. Ein nachträglicher Beitrag zum Goethe-Jahr

Neues vom „Königsleutnant“ 149 andere in französischer Sprache abgefaßt. Die zweifache Ausfertigung erklärt sich, wie aus einem gleichzeitig an Kirchberg ergangenen Schreiben hervorgeht, dadurch, daß das deutsche Schreiben zur persönlichen Information Per gen’s bestimmt war, hingegen das französische so stilisiert war, daß es auch zur Kenntnis des Königs­leutnants gelangen könne. In dem deutschen Schreiben hebt Colloredo hervor, daß er mit Rücksicht darauf, daß weder die Abstammung noch die übrigen Umstände bekannt gewesen seien, vorerst den Grafen von Starhem- berg (damals Botschafter in Paris) um Stellungnahme ersucht habe, welcher jedoch mit der Begründung abgeraten habe, daß eine Ver­leihung des Reichsgrafenstandes in Frankreich nichts weniger als einen guten Eindruck hervorrufen würde. Da nun dadurch kein Vorteil für das allerhöchste Interesse zu erzielen sein werde und übrigens das beigebrachte Attestat über die Familie keinen sonderlichen und noch weniger einen zu einer reichsgräflichen Würde geeigneten Vorzug mit sich bringe, so werde sich der Monarch wohl schwerlich zur Erteilung dieser Würde zu bewegen finden. Falls aber die übrigen Umstände doch erheischen sollten, eine Standeserhöhung zu erteilen, so könne dem viel leichter willfahrt werden, wenn sich der Königs­leutnant mit einem minderen Grad, etwa dem Reichsbaronat, begnügen wolle. Es wolle sich sohin Pergen angelegen sein lassen, auf den Königsleutnant dahin einzuwirken, sein Ansuchen ent­sprechend zu modifizieren, da es wohl nicht schicksam wäre, einer bloß adeligen Person ohne besondere erhebliche Umstände sogleich den Vorsprung zur reichsgräflichen Würde zu erteilen. Schließlich wird Pergen zur geheimen Wissenschaft bekanntgegeben, daß das für den Marschall de Broglie ausgefertigte reichsfürstliche Diplom bloß für dessen Deszendenz ohne Einbegreifung seines Bruders erteilt worden sei, wodurch offensichtlich auf das Ungewöhnliche des Petits auf Ausdehnung des Grafenstandes auf den Bruder, bzw. auf den Neffen angespielt war. Das in französischer Sprache abgefaßte Schreiben, worin mit Schmeicheleien nicht gespart wird, ist bedeutend kürzer als das deutsche — so enthält es beispielsweise nichts über die Befragung Starhemberg’s — es verschweigt jedoch nicht die Schwierigkeiten, die in dem Sprung vom Adelstand zur Grafenstand ,,le grade eminent de Comte du saint Empire“ gelegen seien, und bezeichnet es als sehr schwer, um nicht zu sagen unmöglich, die Auszeichnung über die eigene Linie des Begnadeten auszudehnen.

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