Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 3. (1950) – Leo Santifaller Festschrift

KOTZ, Wolfgang: Neues vom „Königsleutnant“. Ein nachträglicher Beitrag zum Goethe-Jahr

150 Wolfgang Kotz Von diesen beiden Briefen — von dem deutschen wie von dem französischen — wurden Abschriften dem oben erwähnten vom gleichen Tage datierten Schreiben an Kirchberg beigelegt, der auch über den eigentlichen Zweck des französischen Briefes — nämlich dem Königs­leutnant nicht glatterdings eine abschlägige Antwort zu erteilen und ihn bei einiger Hoffnung und somit bei gutem Willen zu erhalten — aufgeklärt und gleichzeitig ersucht wurde, das Unterbleiben einer direkten Antwort an ihn dadurch zu entschuldigen, daß er (Colloredo) hiezu vor Herablangen einer kaiserlichen Entschließung außerstande sei. Von den beiden Adressaten reagierte nur Kirchberg, und zwar in einem vom 18. März 1761 datierten Schreiben, worin er ausführt, daß Pergen den ihm erteilten Auftrag, den Königsleutnant von dem Inhalt des französischen Schreibens in Kenntnis zu setzen — entweder weil ihm dieser Auftrag unangenehm gewesen war oder weil er vor seiner Abreise nach Cöln nicht mehr Zeit zur Durchführung gefunden hatte — an ihn (Kirchberg) weitergeleitet habe. Obwohl Kirchberg versucht hatte, dem Königsleutnant den Inhalt dieses Auftrages „auf die glimpflichste Art“ beizubringen, habe er nur erreicht, daß der Königsleutnant anscheinend „sehr niedergeschlagen“ war. Der Umstand jedoch, daß dieser sich dessen bewußt geworden war, daß sein eigener Hof daran Schuld trage, was er aus der „sehr harten“ Antwort des Herzogs von Choiseul (damals Minister des Auswärtigen in Paris) auf sein Ansuchen um Erlaubnis, um die Standeserhöhung anzusuchen, hatte schließen können, hatte für Kirchberg den einen Vorteil gehabt, daß er um so weniger Mühe hatte, den Königs­leutnant über den zu besorgenden Verdruß zu besänftigen, zumal sich dieser noch immer Hoffnung machte, nach erhaltener Erlaubnis von seinem Hofe (worum sich jetzt der Marschall Herzog von Broglie bewerbe) doch noch vom Kaiser mit der Standeserhöhung begnadet zu werden. Kirchberg schließt das Schreiben mit der Bemerkung, daß er wohl weisungsgemäß dem Königsleutnant seine Hoffnung nicht völlig abgesprochen, jedoch sehr zweifelhaft gemacht und ihn dahin zu bringen versucht habe, sich mit dem Baronat zu begnügen, wovon dieser aber unter dem Vorwand, daß dieser Titel so vielen gegeben werde, welche sich mit seinem Herkommen in keinen Ver­gleich setzen könnten, nichts habe hören wollen. Wie oben ausgeführt, hatte Pergen — infolge der Weiterleitung des Auftrages, den Königsleutnant zu verständigen, an Kirchberg — keinen Anlaß, die ihm zugekommenen beiden Schreiben Colloredo’s zu beantworten. Erst eine Visite des Königsleutnants, bei der der

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