Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 3. (1950) – Leo Santifaller Festschrift

KOTZ, Wolfgang: Neues vom „Königsleutnant“. Ein nachträglicher Beitrag zum Goethe-Jahr

146 Wolfgang Kotz Diese Anregung fand günstigen Boden und die Antwort ließ nicht lange auf sich warten; in der bereits vom 26. November 1760 datierten Beantwortung schließt sich Colloredo dem Gedankengang an, daß der Königsleutnant bei gutem Willen zu erhalten sei; er weist jedoch auf Umstände hin, die dieser Begnadung im Wege ständen und zu­mindest eine nähere Untersuchung erforderten; ein solches Hindernis sei erstlich in dem höchst ärgerlichen Betragen der Stadt Frankfurt gelegen, wodurch bei dem gesamten Publikum ein sehr seltsamer Eindruck hervorgerufen werden würde, wenn gerade über Anlangen der Stadt Frankfurt ein solcher kaiserlicher Gnadenakt ergehen sollte; das zweite Hindernis sei in der Gefahr einer Herabsetzung der reichsgräflichen Würde gegeben, wenn dieser Stand an eine Person ohne erhabene Abkunft und ohne höheren Charakter verliehen werde, wo doch über die Herkunft der Familie nichts bekannt sei und die Stellung als Lieutenant de Roy nicht derart beschaffen sei, daß sie einen solchen ausnehmenden Vorzug verdiene; es bestehe auch Gefahr, daß eine solche Verleihung sowohl innerhalb als auch außer­halb des Reiches verschiedenen Bedenken ausgesetzt und insbesondere auch in Frankreich mißliebig aufgenommen werde, da auch dorthin das Benehmen der Stadt Frankfurt gegebenenfalls keineswegs in günstigen Farben geschildert werden könne. Kirchberg wird daher ersucht, zu trachten, den Königsleutnant auf eine schicksame und glimpfliche Art und, ohne dessen Eigenliebe durch Ausstellungen gegen seine Abkunft allzusehr zu berühren, von seinem Ansuchen abzubringen; sollte es jedoch Kirchberg für den Dienst des kaiser­lichen Hofes für unumgänglich erachten, eine kaiserliche Gnade angedeihen zu lassen, so wäre allenfalls, falls die Abkunft nicht der Verleihung des Reichsgrafenstandes entsprechend sei, ein niedrigerer Adelsgrad zu beantragen. In Beantwortung dieses Schreibens teilt Kirchberg in einem Schreiben vom 8. Februar 1761 Colloredo mit, daß der Königs­leutnant seine ursprüngliche Absicht, sein Gesuch unmittelbar bei Colloredo einzubringen, geändert habe und nun darauf bestehe, daß das Ansuchen von dem Magistrat ausgehe, und zwar nach Meinung Kirchberg’s hauptsächlich aus dem Grund, weil durch diese Modalität die Last der Kosten auf den Magistrat falle. Zu diesem Zwecke habe der Königsleutnant sowohl den Magistrat bewogen, an Per gen eine — tags zuvor abgegangene — Deputation mit einem für den Kaiser bestimmten Promemoria abzuschicken als auch ihm (Kirch­berg) eine an Colloredo gerichtete ausführliche Schrift zu übergeben.

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