Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 2. (1949)

STRASSMAYR, Eduard: Der Schutz von Schloßarchiven in Oberösterreich

90 Archivberichte III: Erster österreichischer Archivtag Es ist das Verdienst der Kommission für neuere Geschichte Österreichs, daß dank der tatkräftigen Förderung durch die Gesellschaft für neuere Geschichte Österreichs zu Beginn unseres Jahrhunderts Adelsarchive durch Fachleute geordnet wurden und ihr reicher Inhalt in gedruckten Berichten und Inventaren sich der Öffentlichkeit erschloß. Leider hat der Krieg 1914 und die spätere politische Umwälzung eine verheißungsvoll begonnene Entwicklung jäh zerstört. Nach dem ersten Weltkrieg ist im österreichischen Archivamt eine Stelle für die Entscheidung in Fachfragen des Archivwesens und für die Pflege des Archivschutzes geschaffen worden. Gefährdete Schriftdenkmale vor Verwahrlosung oder Zerstörung zu sichern, sie verzeichnen und im Bedarfsfall unter staatliche Aufsicht stellen zu lassen, dafür gab das Denkmalschutz-Gesetz vom 25. September 1923 die gesetzlichen Grundlagen. Dadurch wurden endlich die Hindernisse beseitigt, welche der Erhaltung und Zugänglichmachung der Schloßarchive im Wege standen. Den Archiven, namentlich in der Provinz, die ja als Schutzstellen für das gesamte Archivwesen ihres Landes zu wirken haben, ist dadurch eine Fülle von Arbeit erwachsen. Ist es doch nicht damit abgetan, ein Adels­archiv im Wege über das Archivamt unter Denkmalschutz stellen zu lassen. Es muß auch geordnet und verzeichnet werden. Hier harrt der fachlich geleiteten Archive noch viel Midie und Sorge. Der Ertrag lohnt aber die aufgewendete Arbeit. Gerade die Schloßarchive bergen reichhaltigen, noch wenig ausgeschöpften Quellenstoff für die Landesgeschichte. Hier sind die Familienpapiere von Adelssprossen aufbewahrt, die am politischen, wirtschaftlichen und Kulturleben wichtigen Anteil genommen haben. Hier finden sich die Aktenlager der alten Grundherrschaften als Obrigkeit und als Wirtschaftskörper. Um den Adelsarchiven jene Pflege angedeihen zu lassen, die sie auf Grund ihres hervorragenden Quellenmaterials verdienen, sind Geldmittel und Personal erforderlich. Bei der heutigen Wirtschaftslage ist kaum mehr ein Gutsbesitzer imstande, sich einen Archivar zu halten. Der Staat hat für diesen Zweig des Archivschutzes bisher leider nur wenig Mittel zur Verfügung gestellt. Papierene Erlässe und schriftliche Weisungen nützen da nicht viel. Einen Erfolg zeitigt nur die ständige Bereisung der Archive und eine Fühlungnahme mit den Archivbesitzern. Bei wichtigen Beständen muß das mit der Wahrung des Denkmalschutzes betraute Archiv selbst ordnend eingreifen und bei Gefährdung die Archivalien in Verwahrung nehmen. In Oberösterreich sind bereits gute Erfolge erzielt worden. Auf Antrag des oberösterreichischen Landesarchivs hat das Archivamt bisher über 30 Schloßarchive bzw. Reste von solchen unter Denkmalschutz gestellt und sie somit für öffentliches Gut erklärt. Der wertvollere Teil von ihnen ist aber auch bereits inventarisiert und der wissenschaftlichen Forschung erschlossen. Schon im Laufe des 19. Jahrhunderts hat der oberösterreichische Museal­verein beträchtliche Teile von gefährdeten Adelsarchiven in die Obhut des Musealarchivs übernommen, das 1914 mit dem Landesarchiv vereinigt wurde. Unmittelbar nach dem ersten Weltkrieg ordnete das Landesarchiv die Schloßarchive der Familie Thürheim in Weinberg und der Ungnad-

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