Domanovszky Sándor: József nádor iratai II. 1805-1807. (Budapest, 1929)
1805
lange die Truppen vorne stehen, nieht abgeholt, und wir wären mehr im Staude, uns nach seinem Willen zu richten. Meine Laage hier ist nun die traurigste. Ich stehe hier ohne geübte Truppen, mangelnd an allem, was nothwendig ist, um die Insurrection nur halbwegs auszurüsten, und also außer Stand in selber große Fortschritte zu machen, überschwemmt von Bagagen der Armeen, von Fremden und Flüchtlingen, welche das Land, welches ohnehin wenig heuer geämdtet, auszehren und in einer solchen Unordnung anlangen, daß ich kaum im Stande bin, sie zu ordnen und alle Bxcesse zu verhüten. Ich habe, wie Du schon weißt, vom Kaiser eine ausgedehnte Vollmacht, alle Civil- und Militair-Geschäfte im Lande zu leiten und war so glückl[ich] bisher wenigstens dieses Land von einem feindlichen] Einfall, ohne selbem nachzugeben, oder etwas zu thun, was wider meine Denkungsart wäre, zu sichern. Allein nun verschwindet auch diese Hoffnung, da der von mir in Preßburg angestellte Gen [eral]-Major Gr. Leopold Palffy, wie Du aus denen mit dem nämlichen Courier Dir unterlegt werdenden Piecen ersehen wirst, wider die ihm ertheilte Instruction sich mit denen Franzosen in Unterhandlungen eingelassen, welche mich früh oder spät zwingen werden, eine klare Sprache gegen die Franzosen zu führen. Ich habe alles dem Kaiser unterlegt, indeß aber den Gr. Palffy zur Rede gestellt, und ihn von Preßburg weg und nach Neutra, wo er keine Truppen hat, versetzt. Sollte die Antwort des Kaisers auf die Propositionen des Buonaparte verneinend kommen, so werde ich dem G[ra]fen Palffy zu meiner Legitimation den Process machen lassen, im entgegengesetzten Fall werde ich mich aber begnügen, ihn in Verhaft setzen zu lassen. Wie schwer nun meine Lage wird, wenn der, Kaiser mir nicht antwortet, kannst Du, bester Bruder, wohl einsehen. Die Conditlonen, so der französische Kaiser mir sie antragen läßt, kann ich nicht annehmen, da sie auf eine Trennung Hungarns von der Monarchie deuten, allein ich kann es nicht läugnen, daß wenn ich mit ihnen einen Waffenstillstand schließen könnte, welcher auch Deine Armee mit innbegriffe, ich gerne mich verpflichten würde, die Insurrection einzustellen, welche ohnehin wegen Kürtze der Zeit von geringem Nutzen seyn würde. Dadurch erhielte ich dem Kaiser seine eintzige Armee, und zugl[eich] auch das Land, welches Ihm für die Zukunft die größten Ressourcen gewähren kann. Ich theile Dir, als meinem besten Freunde, diese Gedanken mit und bitte Dich, mir zu sagen, was Du davon meinst, und ob Du und unter welchen Bedingungen einem Waffenstillstand, oder einer Neutralität gegen die Franzosen beytreten wolltest. Indes sey überzeugt, daß ich ohne Dein Vorwissen keinen Schritt zu einem solchen Vertrage machen werde, wenn ich nicht vom Kaiser Befehle dazu habe, oder die äußerste Noth mich dazu zwingt. Ich trage ohnehin schwer genug an dem Fehler des Palffy, welcher