Komjáthy Miklós: Protokolle des Gemeinsamen Ministerrates der Österreichisch-Ungarischen Monarchie (1914–1918) (Magyar Országos Levéltár kiadványai, II. Forráskiadványok 10. Budapest, 1966)
Einleitung: Die Entstehung des gemeinsamen Ministerrates und seine Tätigkeit während des Weltkrieges
wurde in seiner und seiner Kollegen politischen Denkweise derart vorherrschend, daß deren Elemente in ihrem Bewußtsein die Tatsachen der Wirklichkeit ersetzten. Das war für sie die Wirklichkeit und nach dieser haben sie ihr Verhalten und ihre Entscheidungen gerichtet. Auf dem Boden dieser Schein-Wirklichkeit stehend forderte Berchtold nach dem Attentat von Serajewo eine »Kraftäußerung« von der Armee der damals schon kranken Monarchie und davon ausgehend sprach Burián in seiner Antrittsrede über die Politik des Selbstbewußtseins, der Kraft und der Würde der Großmachtstellung. 290 Und als die Amtsführung der Österreichisch-Ungarischen Monarchie im Strom der Kriegsereignisse nicht nur zurückblieb, sondern im Wettrennen mit ihnen bereits den Atem verlor und im letzten gemeinsamen Ministerrat auch der Chef des Generalstabes, Baron Arz,den sofortigen Waffenstillstand forderte, hielt Wekerle dieser Schein-Wirklich keit entsprechend das Tempo für zu schnell. 291 Die Funktion des obersten Regierungsorgans des dahinsiechenden Habsburgreiches erschöpfte sich darin, die Schein-Tatsachen der Welt der Illusionen zu erwägen. 292 XVII Die Protokolle des gemeinsamen Ministerrates gehören formell in die Reihe der Protokolle der unter dem Vorsitze von Erzherzog Rainer, Schmerling, Belcredi und Beust abgehaltenen österreichischen Reichsministerratssitzungen. Die Praxis der Registratur ist ebenfalls ein Zeichen dafür, daß die Österreicher den gemeinsamen Ministerrat als österreichisches Reichsorgan betrachteten. Im weiteren möchte ich die Abfassung und die Registrierung der Protokolle mit einigen Daten beleuchten. Die Protokolle vor und nach dem Ausgleich hatten gleicherweise zwei Akten(bzw. laufende) Nummern. Die eine, K.Z. war vor 1867 niemals eine kurrente Zahl (auch bei den Protokollen aus der Zeit des Weltkrieges kommen manchmal Unterbrechungen vor), sondern eine offenbar mit anderen Produkten der Tätigkeit des gemeinsamen Ministerrates gemeinsame Nummer der Protokolle; die andere, die M.R.Z. (vor 1865 M.C.Z., im Jahre 1868 manchmal: R.M.C. Pr.Z. bzw. R.M.R. Pr. Z., ab Sitzung vom 13. IV. 1896: G.M.C.Z.) ist die eigene Registriernummer der Protokolle (Ministerrat-, Ministerkonferenzzahl, Ministerratsprotokollzahl usw.). Diese Nummern sind seit 1848 fortlaufend. Mit der Demission Schmerlings, der kaiserlichen Instruktion vom Jahre 1865 bzw. der in der ersten Sitzung der neuen Regierung vom Kaiser gehaltenen »Ansprache« begann eine neue Numerierung, die bis zum 31. Dezember 1867 fortgeführt wurde. An diesem Tage war der damals noch Reichsministerium genannte gemeinsame Ministerrat zu seiner, seit dem Ausgleich bzw. seit seiner österreichischerseits erfolgten Tnartikulierung ersten Sitzung zusammengetreten. Auch auf dem Mantelbogen des Protokolls steht: I. Sitzung des Reichsministeriums vom 3L Dezember 1867. An dem unter Vorsitz des Kaisers am 14. Februar 1867 abgehaltenen Ministerrat, dessen Protokoll die Nummer K.Z. 322. — M.R.Z. 127 trägt, haben zum erstenmal die Minister der präsumtiven ungarischen Regierung