Mitteilungen des K. K. Archivrates 3.

Dr. Oswald Menghin: Über bäuerliches Archivwesen

70 Dr. Oswald Menghin. Anhang. Das Archiv am Untermarsonhofe zu St. Wallburg im Ultentale. Vorbemerkung. Als Beispiel für ein bäuerliches Archiv von mittlerer Größe gebe ich hier ein Inventar der am Untermarsonhofe zu St. Wallburg im Ultentale vorhandenen Schriftstücke. Dasselbe soll keineswegs als Muster für die vor- gesehlagene Inventarisierung oder Registrierung der bäuerlichen xlrchive gelten, die ich mir sowohl der Form als dem Inhalte nach anders vorstelle, sondern nur einen beiläufigen Begriff davon geben, was ein solches Archiv enthält. Es dürfte immerhin genügen, um den Wert dieser Kleinarchive darzutun, wenn es auch durchaus nicht zu jenen gehört, die das reiehste Material aufweisen. Der Untermarsonhof hieß nach Josef Tarneller, Die Hofnamen im Burggrafen amte (Archiv für österreichische Geschichte, Bd. 101,. S. 505), ursprünglich Walschhof und ist als solcher schon 1314 nachweisbar. Er kam dann in den Besitz der Marsoner vom Marsonhofe, wodurch sich die Unterscheidung von Ober- und Untermarson entwickelte. Beide Höfe sind ge­teilt worden; im Besitze der 1516 von Kaiser Maximilian I. geadelten Familie von Marsoner befindet sich heute nur mehr die eine Hälfte des Untermarsonhofes, und zwar ist das alte Haus, der ehemalige Walschhof, in fremde Hände übergegangen, während für die Familie von Marsoner — die Teilung hat erst unter dem gegenwärtigen Haupte Matthias von Marsoner stattgefunden — ein neues Haus errichtet wurde. Im Stammhause zu Unter­marson sind keine Archivalien mehr vorhanden; die einzige Erinnerung an die ehemaligen Besitzer gibt ein in der Bauernstube hängendes Bild, die Marter des heiligen Erasmus darstellend, mit der Inschrift: »Ex Voto Tha- mann Marsoner Frater des H. Wenediktiner-Ordns auf Mariaperg. 1697.« Das Familienarchiv der Marsoner ist mit ins neue Haus gewandert und wird dort in einem hübschen Renaissancekästchen verwahrt. Die Originaldokumente beginnen — mit einer einzigen Ausnahme — mit dem Jahre 1693 und reichen bis 1820. Von älteren Stücken ist nur der Adelsbrief erhalten ge­blieben. Um 1870 waren aber noch andere in den Händen der Familie. Um diese Zeit scheint man sich um die Wiederzuerkennung des in Ver­gessenheit geratenen Adels bemüht zu haben. -Bei dieser Gelegenheit wurden verschiedene Auszüge hergestellt, die noch vorhanden sind (siehe Ver­zeichnis Nr. 1, 3, 4, 5). Von einer der extrahierten Urkunden wird nun ausdrücklich vermerkt, daß sie von der Partei vorgewiesen wurde (Verzeichnis Nr. 3). Bei zwei anderen Auszügen (Verzeichnis Nr. 4, 5) fehlt zwar eine solche Angabe; es ist aber nicht unwahrscheinlich, daß auch diese Stücke aus dem Familienarchive beigebracht wurden. In einem gewissen'Zusammen­hang mit den damaligen Erhebungen über die Familie Marsoner stand offen­bar der bekannte Tiroler Historiograph Josef Thaler, selber ein gebürtiger Ultner. Er hat schon 1862 Stammbäume der auf eine Reihe von Höfen ver­zweigten Familie hergestellt und beteiligt sich auch wieder 1869 an den Forschungen (Verzeichnis Nr. 5). Seine Stammbäume erliegen teils im Pfarr- arehive zu St. Pankraz in Ulten, teils zu St. Wallburg (vgl. Arehivbericbte aus Tirol 1, 295); eine Stammtafel des am Untermarsonhofe noch blühenden Zweiges der Marsoner ist auch im Hausarchive daselbst verwahrt. Sonst ist an Familienerinnerungen nur noch das Porträt des in den Benediktinerorden getretenen »Thamann Marßaner. Etatis sue XXII. 1685« vorhanden.

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