Mitteilungen des K. K. Archivrates 3.

Otto H. Stowasser: Das Archiv der Herzoge von Österreich. Eine Studie zur Überlieferungsgeschichte der habsburgischen Urkunden

Das Archiv der Herzoge von Österreich. 33 schaftlichen Gründen nicht tunlich. Denn seine Teile sind nun mit anderen Archivalien zu einem organischen Ganzen verwachsen; es geht nicht an, zu zerstören, um dann am Ende doch nur Stückwerk auf bauen zu können. Sondern wir geben uns gerne mit der Erkenntnis zufrieden, die das Werk Wilhelm Putsch’s uns vermittelt. Schon vor dem Jahre 1527 hat Putsch den Bestand des Wiener Archivs und anderer niederösterreichischer Urkunden, wie der auf Schloß Wallsee gelegenen, gesichtet, und ungewiß in welchem Ausmaße, auch ein Repertorium der überprüften Urkunden angelegt. Das geht unzweifel­haft aus mehrfachen Zeugnissen hervor, vor allem aus dem Mandate Ferdinands, mit dem er Putsch am 4. Dezember 1526 zur genaueren ßepertorisierung nach Wien befahl und das wir unten noch erwähnen werden. Ein Jahr früher, die Urkunde datiert vom 9. Dezember 1525 *), aber verständigte der Herrscher die oberösterreichische Regierung, daß Putsch entgegen seiner Zusage jetzt nicht nach Innsbruck kommen werde, weil er zur Visitation der auf Walisee aufbewahrten Urkunden benötigt werde. Über das Ergebnis der Arbeiten von Putsch in den niederöster­reichischen Archiven vor 1527 sind wir des näheren nicht unterrichtet, wir wissen nur, daß er ein vierbändiges Repertorium anlegte, das ihm wohl ohne Zweifel für das später angefertigte, heute noch erhaltene dienstbar war, aber sicher nicht mit diesem identisch ist; es ist heute verschollen.2) Alle diese Arbeiten führte Putsch auf zeitweiligen Reisen aus, sein Dienst­ort war Innsbruck, wo er vor allem als oberster Registrator eine große Tätigkeit entfaltete und besonders auch mit der Ordnung des Archivs sich befaßte. Das machte natürlich ein häufiges Reisen notwendig. Und dieser Zustand blieb auch nach 1527 bestehen, erst 1540, nachdem die Ordnung des Innsbrucker Archivs abgeschlossen war, wurde Putsch dauernd nach Wien versetzt und konnte sich, der vielfachen Reisen enthoben, auch hier dem Abschluß der Archivordnung widmen.3) ') Innsbruck, Von der K. M. 1523—1526, fol. 275 (vgl. ebenda fol. 157 für Putschens Arbeiten vor 1527) und Geschäft von Hof 1525, fol. 160', sowie ebenda 1526, fol. 31.-) Vgl. Sehweinhämbls Instruktion, Beilage 7, aus der dies hervorgeht. 3) Hofkammerarchiv, Niederösterreiehisches Gedenkbuch I, 51, fol. 77. Ich verdanke diese und andere noch zu verwertende Urkunden aus den im Hofkammer­archiv erliegenden Gedenkbüchern meinem Freunde und Kollegen Dr. Fritz Antonius. Der Erlaß an die Kammer lautet: Wir haben eur schreiben, des datum steet den zehenden tag nechstversehinens monats Marcii, betreffent unsers rats und secretari Wilhelmen Putschen antzaigen und furslag, wann wir ine bey unserer nideröster- reichischen earner zu der registratur (der) sehatzbriefen in der Newstat und andern unsern notturften erbrauehen und des diensts bey unserer oberösterreiehischen regie- rung erlassen wollten, was er für besoldung und underhaltung beger, sarnbt des Putschen iibergebnen antzaigen und erpieten solcher newen bestallung halben emphangen und vernomben. Und dieweil wir dann aus eurm und auch des Putschen bericht ver­Mitteilungen des D.-ö. Aichivrates. III. 3

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