Mitteilungen des K. K. Archivrates 3.

Otto H. Stowasser: Das Archiv der Herzoge von Österreich. Eine Studie zur Überlieferungsgeschichte der habsburgischen Urkunden

30 Otto H. Stowasser. Beamtentum jener Tage.') Seine Klagen, daß er nur in Armut gehandelt, sind so ganz unbegründet vielleicht nicht und lassen uns sein Handeln doch in milderem Lichte erscheinen. Wie er sich im Elend der Ge­fangenschaft aber gegen Verdächtigungen wehrte, die ihn schuldlos trafen, ruft Erbarmen mit dem alten Manne wach, der dem Kaiser so lange treu gedient hatte. So kam in das Archivwesen der österreichischen Länder auch unter dem reformfreudigen Sohne Friedrichs V. (III.) keine Ordnung, sondern als Maximilian starb, lagen die archivalischen Schätze des Hauses nach wie vor in den Vorlanden, in Wien, Graz, Innsbruck und Wiener-Neu­stadt verstreut und die Regierung seines Enkels Ferdinand sah sich der­selben unmöglichen Lage der Dinge gegenüber, die Maximilian einst vorgefunden hatte. Jetzt griff man den Gedanken, in Wien und Inns­bruck das gesamte archivalische Material zu zentralisieren, neuerdings auf und führte ihn auch energisch durch. Die gewaltige Arbeit leistete der Sekretär der Innsbrucker Regierung Wilhelm Putsch. Sein Sohn, der Historiograph am Hofe des tirolisehen Ferdinand, hat an äußerem Erfolge den Vater weit hinter sich gelassen ; aber wir müssen ehrlich dessen Arbeit höher stellen. Es war nicht leicht, in das Gewirre der habsburgischen Archive eine Ordnung zu bringen und sie so der Mit- und Nachwelt dienstbar zu machen; noch weniger war es eine er­freuliche Arbeit und wenn je einer, dann hätte dieser Mann am Ende seines Lebens sagen können, daß er selbstlos eine entsagungsvolle Arbeit getan. Der Kaiser hat das auch anerkannt und ihm manche Gnade er­wiesen; es war sein wohlverdienter Lohn. Wilhelm Putsch war um das Jahr 15001 2) in die Dienste Maxi­milians getreten, denn am 31. März 1526 berichtet die Regierung an Ferdinand, daß er schon »pys in 26 iar dem leblichen haus Österreich trewlich und vleissig« gedient habe. Er war Sekretär und Registrator und. erfreute sich besonders in dieser zweiten Eigenschaft der Wertschätzung der 1) Der Kaiser war begreiflicherweise sehr erzürnt und drängte in Saurer, er möge aus Breitsehwert nach Möglichkeit herauszubringen suchen, »was brief er allennthalben von unnsern briefen genomen, verkauft oder ausgebn« und befahl ihm weiter, »auch mitler zeit den gedachtn Praitswert vermaurn und wol verwarn« zu lassen, »doch das ime am lebn noch nichts beschehe, bis wir unns der Sachen pas naehgrundt und weiter gehanndlt haben«. Mandat vom 9. August 1515. Es ist über­dies interessant, zu lesen, wie Breitschwert sein Vergehen zu entschuldigen sucht, wieviel Geld er sich damit machte und wie seine Abnehmer sieh ihm gegenüber ver­hielten, auch wie ausgebreitet dieser Handel war. Ich gebe in der Beilage die wich­tigeren Stüeke unter Nr. 1—5 wieder. 2) Innsbruck, An die K. M. Lib. 2, fol. 237. 31. März 1526. Die im folgenden zitierten Stücke aus den Kopialbiichern des Innsbrucker Archivs hat Herr Dr. A. Birti für mich aufgenommen und Herr stud, ph.il. Ringler war so freundlich, die Abschriften zu besorgen.

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