Mitteilungen des K. K. Archivrates 3.
Otto H. Stowasser: Das Archiv der Herzoge von Österreich. Eine Studie zur Überlieferungsgeschichte der habsburgischen Urkunden
Das Archiv der Herzoge von Österreich. 31 Regierung. Ais er im Dezember 1525*) wegen Taubheit und erlahmender Sehkraft schon seinen Abschied nehmen wollte, beantragte die Regierung auf sein Verbleiben, weil »unnsers achtens nit fruchtper wer, das eider ennd hie gar wegkemen solte, dieweil er die registratur gemacht und der sonderlichen bericht hat, welches beswerlicher erst ainem iungen damit von neuem anzubringen, denn sich nit yederman aus derselben registratur verrichten möchte. Darzue sein auch vil reichischer, österreichischer und annder treffenlich lenndl, daran der kay. Mt. von des Römischen reichs und dann E. f. D. von des haus Österreichs wegen vil und merklich gelegen sein wil, versecretiert und noch unver- suecht pey einander, so weiland herr Oiprian von Serntein hinder sein verlassen hat, die auch von nöten wern, durch vorgedachten secretari Wilhelm Putschn zu versuechen und in ain Ordnung zu richten«. Wir sehen den Mann also damals mit der Ordnung des Innsbrucker Archivs und seiner Verwaltung beschäftigt und hören, daß er willens war, aus dem Amte zu scheiden. Man vermochte ihn aber zu halten und ein Jahr später übernahm der Amtsmüde die größte Arbeit seines Lebens, wie erst die Innsbrucker nun auch die anderen Archivalien des Hauses Österreich zu sichten und zu ordnen und ihre Ordnung mit dem Innsbrucker Archiv in Einklang zu bringen. In zwanzigjähriger Arbeit von 1527 bis 1547 hat sieh Wilhelm Putsch des erhaltenen Auftrags entledigt. Das Ergebnis sind der Innsbrueker und der Wiener »Putsch«, d. h. die beiden großen Archivrepertorien dieser beiden Archive, die ihn zum Verfasser haben. Daß er das Innsbrucker Archiv geordnet und inventarisiert hat, ist ja längst bekannt. Und Gustav Winter hat auch bereits bemerkt, daß wir ihm das Wiener Repertorium verdanken. Man schrieb es zu Unrecht einst dem Cuspinian zu, der ja allerdings in der Kommission von 1512 saß, von dessen Arbeit für das Archiv aber nirgends eine Spur zu finden ist, wie ja überhaupt diese Aktion im Sande verlief, was wir oben schon besprochen haben. Wenn die Autorschaft an beiden Repertorien Putsch auch schon zuerkannt ist, so hat man meines Erachtens bisher doch nicht richtig erkannt und gewürdigt, daß diese beiden großen Arbeiten des verdienten Mannes in engem Zusammenhänge stehen, daß sie die einheitliche Durchführung des wohldurchdachten und überlegten Planes sind, das gesamte Archiv des landesfürstlichen Hauses in Wien und in Innsbruck, also in einer den praktischen Bedürfnissen angepaßten Zweiteilung, zu zentralisieren. Wir werden das im folgenden erweisen. Damit kam in den Bestand des Archivs der Herzoge von Österreich endlich eine Ordnung. Nicht darum allein gebührt diesen Arbeiten von Putsch unsere Aufmerksamkeit, sondern noch aus einem besonderen *) Ebenda fol. 73.