Mitteilungen des K. K. Archivrates 3.

Otto H. Stowasser: Das Archiv der Herzoge von Österreich. Eine Studie zur Überlieferungsgeschichte der habsburgischen Urkunden

Das Archiv der Herzoge von Österreich. 29 Ohne nun den Wert dieser Organisationsversuche auch in dem speziellen Falle des landesfürstlichen Archivwesens verkennen zu wollen, muß doch hervorgehoben werden, daß sie zu keinem Ziele führten. Als Maximilian starb, war nur sehr teilweise eine Besserung erzielt worden, und erst unter der Regierung seines Enkels Ferdinand wurde wirklich Ordnung geschaffen. Freilich führte man nur einen Gedanken Maxi­milians durch. Gustav Winter hat in seiner schon erwähnten, mit liebevoller Hand gezeichneten Skizze »Die Gründung des kaiserlichen und königlichen Haus-, Hof- und Staatsarchivs« diese ßeformversuche Maximilians tref­fend und kurz charakterisiert. Zuerst wollte der Kaiser die gesamten archivalischen Schätze seines Hauses und seiner Länder in seiner Lieb­lingsresidenz, in Innsbruck, vereinigen, wo ja auch die neuen Zentral­behörden der Erblande und des Reiches nach seinem Willen ihren Sitz haben sollten. Es war im Jahre 1501, daß Maximilian diesen Plan ver­wirklichen wollte. Aber man kam damit nicht weiter und ein Jahrzehnt später war der Plan dahin abgeändert, in Wien und Innsbruck ein Zentralarchiv für die tirolischen und niederösterreichischen Länder zu errichten, also unter Verzicht auf einheitliche Zentralisierung eine Zwei­teilung des Archivwesens vorzunehmen, gleichwie man in der Verwaltung sonst diesen Weg beschritten hatte. Für die Aufnahme und Ordnung des Wiener Archivs wurde 1512 eine eigene Kommission eingesetzt, die aus Dr. Stephan ßeuß, Dr. Ouspinian, Lukas Breitschwert, Georg Kirch- inüllner, Roman Staudinger und Stephan Agier bestand. Aber auch dieser Plan fand keine Verwirklichung, zumal auch die Personenwahl keine sehr glückliche war. Denn die hauptsächliche Rolle bei diesem Geschäfte war dem Sekretär Lukas Breitschwert zugedacht. Gerade der Mann aber hat sich des in ihn gesetzten Vertrauens seines kaiserlichen Herrn nicht würdig gezeigt. Denn drei Jahre später, im Jahre 1515, sah sich die Regierung gezwungen, ihm den Prozeß zu machen — weil er die ihm anvertrauten Archivalien an Interessenten verkauft hatte, an Trient und Brixen, an die Hardegg, Starhemberg, Stubenberg.Sein Haus in Klosterneuburg wurde nun amtlich geschlossen, wobei man bezeichnender­weise darauf achtete, daß kein Geschrei entstände, und er selbst nach Laxenburg in Gewahrsam gebracht. Seine Briefe an den Viztum in Niederösterreich, Laurenz Saurer, die sich aus dieser Zeit seiner Ge­fangenschaft im Wiener Staatsarchiv erhalten haben, sind wie ein Be­kenntnis seiner Schuld doch auch traurige und beredte Zeugen für das 1 1) Sammelfaszikel sub 1515, Jänner 13 im Staatsarchiv. Wo im vorausstehen­den keine Belege angeführt sind, stütze ich mich auf Winter und Adler, Centralver­waltung unter Maximilian I., die ihrerseits die Belege schon angeführt haben und von deren Richtigkeit ich mich überzeugen konnte.

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