Mitteilungen des K. K. Archivrates 1. (Wien, 1914)

Literatur und Notizen

Notizen. 309 mischt mit einigen anderen Angaben und wenig organischer Einschaltung der Urbare. Für die ältere Zeit lehnt sich dieser Abschnitt enge an die Archiv­berichte aus Tirol, 2, 396ff., an. Mit Rücksicht auf die Bemerkung der Einleitung, daß eine ziemlich große Zahl älterer Urkunden der Pfarre in früherer Zeit abhanden gekommen sei, konstatiere ich mit Vergnügen, daß das vor meiner etwa 20 Jahre zurückliegenden Aufnahme des Archivs ge­schehen sein muß, denn alle von mir damals verzeichneten Urkunden kehren hier wieder, sogar einige mehr, was angesichts der seinerzeitigen Verwahr­losung des Archivs ganz begreiflich ist (Nr. 56 gehört aber wohl sicher zum Jahre 1545, nicht 1445). Auf die sachlichen Mängel dieser Regesten soll hier nicht eingegangen werden, der Eifer und die Fürsorge des Verfassers für sein Archiv ent­waffnen die Kritik. Aber die allgemeine Frage kann nicht umgangen werden, ob eine so umfassende Veröffentlichung eines derartigen Pfarrarchivs nach­ahmenswert ist. Das nächste Ziel des Herausgebers, durch Drucklegung des Inventars den Archivinhalt für den Fall weiterer Verluste vor Vergessenheit zu retten, kann natürlich viel einfacher und billiger erreicht werden, wenn das Inventar mit Maschinenschrift hergestellt wird und ein paar Durch­schlage an geeigneten Orten hinterlegt werden. Für historische, auch nur lokalhistorische Zwecke lohnt es sich beim Stand unserer Quellen doch nicht, auch alle Aktenstücke der letzten Jahrhunderte in weitschweifigen Auszügen zu drucken. Da muß die Verarbeitung des Stoffes zur Pfarr- oder Dorf­geschichte eintreten; freilich dann nicht auf Grundlage des doch immer­hin recht zufälligen Bestandes des eigenen Archivs allein. Man vergleiche über Abfassung von Ortsgeschichten die verständigen Auseinandersetzungen in den Deutschen Geschichtsblättern, 9, 205ff.; 10, 237 ff. Wien. E. v. Ottenthal. Ein sehr nützliches Naehschlagebueh ist das Annuaire des Archives de Belgique von Leo Verri est, im Auftrag der Association des arehivistes et bibliothécaires beiges herausgegeben. Roulers 1913. Der erste Teil enthält für alle Archive des Staates, der Provinzen, Städte, Bistümer und Abteien in alphabetischer Reihenfolge Angabe des Beamtenpersonals, der einschlägigen Literatur, der Archivbestände (Fonds) mit ihren gedruckten und handschrift­lichen Inventaren. Natürlich ist die Arbeit nicht ganz einheitlich, sie hängt von den Mitteilungen ab, welche der Herausgeber erhielt. Ganz vorzüglich ist z. B. der Abschnitt von Des Marez über das Stadtarchiv in Brüssel; jene des allgemeinen Staatsarchivs in Brüssel würden durch eine etwas übersichtliche Druekeinrichtung noch bequemer benützbar werden. Der zweite Teil enthält die Lebensdaten und literarischen Leistungen sämtlicher derzeit lebenden bel­gischen Archivare. E. v. Ottenthal. Die Württembergisehen Arehivinventare, herausgegeben von der Württembergischen Kommission für Landesgeschiclite (Stuttgart, Kohlhammer), erscheinen nun in rascher Folge. Das Jahr 1913 brachte sieben Hefte, die folgende Oberämter behandeln: H. 4: Backnang, Besigheim und Cannstatt (bearbeitet von Duncker); H. 5: Mergentheim (Hirsch); H. 6: Marbach (Kolb); H. 7: Brackenheim und Maulbronn (Duncker und Baßler); H. 8: Rottenburg

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