Mitteilungen des K. K. Archivrates 1. (Wien, 1914)

Literatur und Notizen

Literatur. 303 Fürstenberge und verwandter Geschlechter sowie deren Besitzungen, daneben aber auch für manche Begebenheiten der böhmischen Geschichte vom 16. Jahr­hundert an. Bas fürstlich Thun-Hohensteinsche Archiv inTetschen a. d. Elbe (E. Philipp und E. Eich) umfaßt neben einem umfangreichen Bestand von Wirtschaftsakten in zwei Abteilungen die Familienarchive der tirolischen und böhmischen Linie des Hauses; ersteres, bis ins Mittelalter zurückreichend, enthält, soweit dies aus der skizzenhaften Verzeichnung hervor­geht, ein reiches Material zur tirolischen, aber auch zur gesamtstaatlichen, zur deutschen und Kirchengeschiehte (Konzil von Trient); das letztere ist namentlich von Interesse für die Zustände des Vormärz und die Eevolution sowie für die Geistesgeschichte (Nachlaß des Unterriehtsministers Grafen Leo Thun) Der Hauptwert des gräflich Glam-Martinicschen Archivs in Smecna (F. Sváb) liegt in den bis ins 15. Jahrhundert hinaufreichenden Wirtschafte- und Vervvaltungsakten, während (noch nicht gesichtete) Arehi- valien familiengeschichtlichen und politischen Inhalts in größerer Zahl erst seit dem Ende des 18. Jahrhunderts erhalten sind. An die von ihm in den ersten Heften dieser Publikation verzeiehneten großen Archive der fürstlichen Häuser Dietrichstein und Collalto reiht B. Bretholz nun kleinere mäh­rische Schloßarchive an, von denen aber manche sehr wertvolles Material bergen. Dies gilt von dem gräflich Kaunitzischen Schloßarehiv in Austerlitz, unter dessen politischen Akten die auf den Eeichskanzler Grafen Dominik Andreas Kaunitz und die auf den nachmaligen Hofkanzler und Fürsten Wenzel Anton Kaunitz bezüglichen Archivalien (Korrespondenzen, Eelationen) besonders bemerkenswert sind; der schriftliche Niederschlag der Tätigkeit dieser beiden Männer bildet auch den für die allgemeine Geschichte wichtigsten Teil des gräflich Wrbnasehen Schloßarchivs in Jar- meritz, das früher gleichfalls kaunitzisch gewesen war; seinen Hauptbestand setzen allerdings Wirtsehaftsakten zusammen. Das heute ebenfalls gräflich Wrbnasche Schloßarchiv in Holleschau enthält (nicht sehr be­trächtliche) Familienakten der gräflichen Familie Kottal. In dem recht reich­haltigen gräflich Magnis’schen Familienarchiv in Straßnitz (L. Nopp) findet sich hauptsächlich Quellenstoff für die Geschichte der Besitzerfamilie und anderer sudetenländischer Adelsgesehlechter; von allgemeinem Interesse sind unter anderem die Akten von und über den Landeshauptmann Grafen Franz Magnis und seine Eolle in der letzten Zeit des Dreißigjährigen Krieges. Von dem kleinen Bestand der erzherzoglichen Kammer inTesehen sind schlesische Herzogsakten des 17. Jahrhunderts sowie Schreiben der Kaiser Ferdinand L, Max II. und Kudolf II. hervorzuheben. Das Schloßarehiv zu Groß-Ullersdorf (Nordmähren, von J. Paukert), seit 18U2 fürstlieh liechtensteinisch, früher in gräflich zierotinischem Besitze, umfaßt Wirtschaftsakten (knapp aber prägnant verzeichnet), die Korrespondenz der Zierotine mit verwandten Häusern meist privaten Inhalts. Auch das gräflich Berchtoldsche Archiv auf der Burg Buchlau, über das L. Nopp summarisch und mit Auswahl des ihm wichtig Scheinenden be­richtet, besteht vornehmlich aus den Akten der Grundherrschaft sowie aus dem für die allgemeine Geschichte minder belangreichen Nachlaß der früheren Besitzerfamilien. Einen sehr willkommenen und notwendigen Bestandteil des Heftes bildet das umfangreiche (192 Seiten) Eegister für den ganzen Band (von K. Goll, nach Vorarbeiten von E. Frieß).

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