Mitteilungen des K. K. Archivrates 1. (Wien, 1914)

Literatur und Notizen

302 Literatur. phisehen Daten geläufig sind oder er sie wenigstens in der sonstigen Literatur zu finden weiß. Der reiche Inhalt des Heftes sei im folgenden kurz skizziert. An der Spitze steht das gräflich Harrachsche Archiv in Wien, von F. Menőik etwas breit verzeichnet, die Archivaliengruppen stellenweise zum Nachteil der Übersieht durch darstellende Bemerkungen zerrissen; seine umfangreichen wertvollen Bestände von der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts an bieten Material zur Kenntnis der religiösen Wirren, besonders in Böhmen und Steier­mark, sowie des Dreißigjährigen Krieges; die größte Bedeutung aber erreicht es in den Archivalien, die sich auf Graf Ferdinand Bonaventura I. beziehen, in dem ausgedehnten Briefwechsel dieses Staatsmannes, worunter mehrere hundert Originalbriefe Kaiser Leopolds I., zum guten Teil über die spanische Thronfolge handelnd, sowie in den Protokollen der Geheimen Konferenz, die der Graf als deren Präsident 1696 bis 1705 führte, ebenso wie nachher sein Sohn Alois Thomas, dessen amtliche und private Korrespondenz für die erste Hälfte des 18. Jahrhunderts gleichfalls von großer Wichtigkeit ist. Der Briefwechsel seines jüngeren Bruders Johann Josef Philipp (viele Schreiben des Prinzen Eugen) ist eine reiche Quelle für die Geschichte der Heeres­organisation, von den Berichten an und von seinem Sohn Friedrich gilt das­selbe für die österreichische Erbfolgefrage und die Verhältnisse in Belgien. Daß sich durch die ganze Neuzeit hindurch außerordentlich viel nicht nur für die Familiengeschichte der Harrachs, sondern auch der meisten anderen Häuser des österreichischen sowie zahlreicher des ausländischen Adels findet, ist bei den Beziehungen des Geschlechtes und dem guten Erhaltungszustand des Archivs selbstverständlich. In Beständen dieser letzteren Art, sowie in Rechts-und Verwaltungsakten liegt auch der Hauptwert des reichsgräfiich Desfours- Walderodeschen Archivs in Groß-Rohozec (K. R. Fischer). H. Opo- censky berichtet kurz über markgräflich badensisehe Archivalien im fürstlich Sehwarzenbergsehen Archiv in Lobositz, von denen die Akten und Korrespondenzen (darunter Briefe Montecuccolis) des Markgrafen Leopold Wilhelm hervorzuheben sind. Das gräflich Kinskysche Archiv in Chlumetz a. d. Cidlina (J. Novák) bietet neben Familiendokumenten einiges für die Geschichte des böhmischen Aufstandes und dann wieder für einzelne Ereignisse des 18. Jahrhunderts; Hauptteil ist das (nicht auf­genommene) Wirtschaftsarehiv. V. Kratochvil bringt über die derzeit im Haus-, Hof- und Staatsarchiv deponierten politischen Akten des fürstlich Trauttmannsdorffschen Familienarchivs und über die des fürstlich Kinskyschen Familienarehivs in Wien eine ganz summarische Über­sicht, die aber doch die Wichtigkeit namentlich des erstgenannten erkennen läßt, die es durch den Briefwechsel des Ministers Grafen Maximilian Trautt- mannsdorff mit E’erdinand II. und III., mit Erzherzogen, Wallenstein, Tilly usw. besonders für die Geschichte des großen Krieges und des westfälischen Friedens besitzt; das Kinskysche Archiv ist von Bedeutung für die Bezie­hungen zu den Westmäehten zur Zeit Karls VI. (Nachlaß des Grafen Philipp JosefKinsky, Gesandten am englischen Hofe). Das fürstlich Lobkowitzsehe Archiv in Prag (J. Borovicka) enthält manches Material zur politischen und Kriegsgeschichte des 18. Jahrhunderts (amtliche und private Korrespon­denz des Fürsten August Anton Lobkowitz, Gesandten in Madrid) sowie des polnischen Aufstandes von 1830. Das fürstlich Fürstenbergsche Archiv in Pürglitz (J. Paukert) ist vorzüglich von Belang für die Geschichte der

Next

/
Thumbnails
Contents