Mitteilungen des K. K. Archivrates 1. (Wien, 1914)

Literatur und Notizen

Literatur. Archivalien zur neueren Geschichte Österreichs. Verzeichnet im Aufträge der Kommission für neuere Geschichte Österreichs. Bd. I, H. 4. (Veröffentlichungen der Kommission für neuere Geschichte Österreichs. 4./4.) Wien, Holzhausen 1913. VIII, 450 S. Mit vorliegendem Heft gelangt der erste Band der »Archivalien«, von dem drei Hefte bereits in den Jahren 1907 bis 1909 erschienen sind, zum Abschluß; er bietet aueh innerlich dadurch ein geschlossenes Ganzes, daß er die Archivberiehte aus den Sudetenländern fast vollständig enthält, wobei auch einige außerhalb derselben liegende Archive solcher Geschlechter mitr einbezogen wurden, die dem böhmiseh-mährisehen Adel beizuzählen sind oder bei denen der Schwerpunkt des Besitzes in den bezeichneten geographischen Kreis fällt. Es war gerade für diese Publikation ein sehr glückliches Ver­fahren — es wird auch weiterhin eingehalten werden —, Archive eines größeren Komplexes bandweise zusammenzufassen, denn die meisten Adels­familien, deren Archive uns nunmehr erschlossen werden, haben, ungeachtet der hervorragenden gesamtstaatlichen Bedeutung vieler ihrer Mitglieder, doch naturgemäß vornehmlich auf dem Boden ihrer engeren Heimat neben- und miteinander gewirkt, sie sind in stetem regem Gedankenaustausch gestanden, die Dokumente, die als Niederschlag ihrer öffentlichen Tätigkeit wie ihres Privatlebens auf uns gekommen sind, berühren und ergänzen sieh daher viel­fach, das eine dient zur Aufhellung und Überprüfung des nächsten, ein Vor­teil, der bei einem anderen Publikationsprinzip erst nach Abschluß des ganzen Werkes zu voller Geltung käme. Sehr dankenswert sind auch die fast allen Berichten vorausgeschickten Bemerkungen über Unterbringung und Ordnungs­zustand des Archivs, über seine früheren Schicksale und die historischen Be­dingungen, aus denen es hervorgegangen ist, Angaben, die den Forscher zu­nächst über die äußeren Voraussetzungen der Benützung unterrichten, ihm aber aueh darüber hinaus als Hinweis auf dort vielleicht vorhandenes Material dienen können, das — dem Plane des Unternehmens gemäß — bei der Ver­zeichnung selbst nicht so ausführlich behandelt werden konnte, als es dem Bedürfnis des einen oder anderen Benützers entspräche. Wenn aber im An­schlüsse daran oder vor den einzelnen Archivaliengruppen von manchen Be­arbeitern förmliche Biographien hervorragender ehemaliger Besitzer des Archivs gegeben werden, so scheint dies mit Rücksicht auf die wünschenswerte Über­sieht über die Bestände doch zu weitgehend und auch kaum nötig, weil der­jenige, der die »Archivalien« benützt, darin meist nach Material über eine bestimmte Person oder Begebenheit sucht und daher in der Durchdringung des Stoffes schon soweit fortgeschritten sein muß, daß ihm diese biogra­20*

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