Mitteilungen des K. K. Archivrates 1. (Wien, 1914)

P. Benedikt Hammerl: Die Bibliothek des Wiener Klerikers Otto Gnemhertl um 1300, heute in der Stiftsbibliothek zu Zwettl

206 P. Benedikt Hammerl. sua fata libelli« durch das Mittelglied der Benützung durch Forscher des 18. Jahrhunderts (Garampi) eines Tages noch in Wien, besonders aber in Triest und Rom aufscheinen könnten. Wie gezeigt worden, beließ man weitaus die meisten Volumina in ihrem Originaleinband auch in Zwettl weiter. Neu eingebunden wurden in Zwettl, und zwar am Beginn des 15. Jahrhunderts vier, vielleicht fünf Ottonische Volumina in den heutigen Kodex 64, zwei in den heutigen Kodex 188 und im Jahre 1788 je ein Ottonisches Volumen in die heutigen Kodizes 47 und 279. Als Adligate wurden mit anderen Zwettler Handschriften im 15. Jahrhundert zusammengebunden drei Ottonische Volumina in den heutigen Kodizes 232, 269, 289. Die Identifizierung auch dieser in Zwettl umgebundenen Ottonischen Volumina ist zumeist von selbst ge­geben durch das Monogramm am einzelnen Volumen; wo im Einzelfalle, wie bei Teil 3—5 im Kodex 64, das Monogramm fehlt, weist die an fast allen Ottonischen Originaleinbänden auftretende Erscheinung, daß die durch die Holzdeckel getriebenen Eisenstifte mit der Zeit angerostet sind, ihr Rost die inneren Vorsatzblätter durchgefressen und schließlich auch das erste und noch weitere Textblätter angegriffen hat, und zwar immer in den durch Gnemhertls Einbindweise festgestellten regelmäßigen Abständen, auf die mehr als wahrscheinliche Vermutung eines voran­gegangenen, durch die Umbindung in Zwettl beseitigten Ottonischen Einbandes und damit auf Ottonische Provenienz hin. Nach Schilderung der Äußerlichkeiten der Bücher Ottos erübrigt noch, zur Kennzeichnung seiner Geistesrichtung und des wissenschaft­lichen Wesens und Wertes seiner Bibliothek wenigstens summarisch eine kurze Übersicht über den fachwissenschaftlichen Inhalt der in seinen Büchern enthaltenen Abhandlungen zu geben. Im ganzen liegen in den auf uns gekommenen 32 Volumina gegen 120 größere oder kleinere Werke oder Traktate vor. Darunter beziehen sich auf: 1. Exegetik zur heiligen Schrift 35 (A. T. 21, N. T. 10, 4 Konkor­danzen); 2. Dogma und Moral 23; 3. Asketik6; 4. Liturgik 5; 5. Profan- und Kirchengeschichte 12 (darunter des Honorius imago mundi in Kodex 172, Kreuzzugssachen in Kodex 278, 310); 6. Hagiographie 9; 7. Chronologie 2; 8. Jus canonicum 6; 9. Jus civile (Notariat betreffend, italienischen Ursprungs, in Kodex 289); 10. Philosophie 14; 11. Päda­gogik 2 (eruditio principum in Kodex 264); 12. Linguistik 3; 13. Natur­wissenschaften 2 (Himmelskunde, Zoologie in Kodex 97 deperditum, Obst­und Weinbau in Kodex 269). In dem Handschriftenkatalog der Zwettler Stiftsbibliothek, welchen Rößler in Xenia Bernardina, pars II, 1. Band, Seite 291 ff. (Wien, Holder,

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