Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 7. (Dritte Folge, 1911)
Gentz und Fasbender. Ungedruckte Briefe aus der Zeit von 1802 bis 1808. Mitgeteilt von Major Jacubenz
Grentz unci Fasbsnder. 73 darüber, als an den Gf. Cobenzl1), den Gf. Starhemberg* 2) und meinen Freund Fr ob erg3). Morgen früh gehe ich über Leipzig nach Weimar; dort erwarte ich Elliot, mit dem ich nachher schnell nach Frankfurt reise; ist die Witterung dort noch günstig, so schiffen wir uns auf dem Rhein ein ; wo nicht, gehen wir zu Lande nach Holland; die Überfahrt geschieht in jedem Falle von Helvoetstein aus. Ich bin spätestens den 1. Dezember, was mir auch begegnen mag, wieder in Dresden und dann gewiß vierzehn Tage später in Wien. Ich freue mich unendlich, Sie wieder zu sehen, freue mich des neuen Lebens, der Thätigkeit, der Gespräche, der großen Ideen, der fruchtbaren praktischen Ansichten, die sich in Ihrem lehrreichen Umgänge für mich entwickeln werden. Möge nur bis dahin ein gnädiges Geschick über der Erhaltung, über dem Wohl der Österreichischen Monarchie wachen, die, wie ich Ihnen aus dem Grunde meiner Seele versichern kann, jetzt das Ziel aller meiner Bestrebungen, aller meiner Kombinationen, aller meiner Reflexionen, und der erste und letzte meiner Gedanken ist. Ich hatte die Hoffnung, den Erzherzog Karl vorigen Dienstag in Teplitz zu sehen; ich hatte dem Fürst Clary4) ausdrücklich versprochen, in den Tagen, die Er daselbst zubringen würde, hin zu kommen und ich kann sagen, daß ich mich nicht wenig über dieses kleine Projekt freute. Aber am Tage vor der Ausführung kam hier die Nachricht an, daß der Erzherzog wieder krank geworden war und nicht nach Teplitz gehen würde. Gebe Gott, daß es von keinen Folgen sei! Wenn Sie diesen trefllichen Prinzen wieder gesund in ') Ludwig Graf Cobenzl war damals Vizekanzler. Vorher (1775—1779) stand er als Gesandter in Berlin, hierauf 10 Jahre als solcher am russischen Hofe in Verwendung; er demissionierte am 24. Dezember 1805. 2) Ludwig Josef Graf Starhemberg, österreichischer Botschafter in London. 3) GrafF r o hb e rg, ein in Dresden seßhafter Aristokrat, mit dem Gentz 1802 gemeinsam die Heise nach Wien zurücklegte. Er kam nach Wien, um Ansprüche des Hauses Orleans auf böhmische Güter geltend zu machen, mußte aber unverrichteter Dinge wieder abreisen. 4) Vermutlich Johann Nepomuk Eürst von Clary-Ald ringen, geboren 1753, gestorben 1826.