Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 7. (Dritte Folge, 1911)

Gentz und Fasbender. Ungedruckte Briefe aus der Zeit von 1802 bis 1808. Mitgeteilt von Major Jacubenz

72 Jacnbenz. mich dafür. Erstlich: diese Reise ist das kürzeste und sicherste Mittel, meine Geldangelegenheiten zu arrangieren; ich habe in England aus einer literarischen Enterprise noch eine für mich sehr beträchtliche Summe zu fordern und zu erwarten; ich hätte sie jetzt vielleicht in Händen, wenn nicht durch ein bis jetzt unerklärliches Mißgeschick ein Brief den ich im Monate Juli auf meiner Reise durch Böhmen nach England schrieb und nebst vielen anderen Sachen an Herrn Elliot in Dresden adressierte, gänzlich aus der Welt ver­schwunden wäre. Ich müßte also von hier aus eine neue Korrespondenz anfangen, die mich nicht schneller und nicht sicherer zum Zweck führen kann, als meine Reise. Zweitens gewinne ich dabei, daß ich auf einige Monate ganz aus der Nähe von Berlin komme, allen Gesprächen, Nachforschungen und Kabalen von Dresden entgehe und den ersten Lärm, der sich über meinen Entschluß, aus Preußen zu gehen, natürlich erheben muß, verdampfen lasse. Ich gestehe Ihnen wohl, daß ich eine Zeit lang von dem Gedanken beunruhigt worden bin, daß dieser Schritt mir in Wien übel ausgelegt werden könnte. Bei weiterem Nachdenken habe ich aber diese ganze Besorgnis für chimä­risch erklärt. Man hat mir zwei bis drei Monate Zeit gegeben, um meine Angelegenheiten in Berlin zu arrangieren; diese Zeit gehört mir und ich kann darüber nach meiner besten Überzeugung disponieren. Ob ich sie in Berlin, Dresden oder auf einer Reise zubringe, ist an und für sich Ihrer Re­gierung gleichgiltig; ja, was noch mehr ist, diejenige An­wendung dieser Monate, die mich am weitesten von Berlin entfernt hält, muß man, dünkt mich, caeteris paribus, in Wien für die angenehmste erklären. Wenn ich nun aber vollends mit Grunde der Wahrheit versichern kann, daß das zuver­lässigste, das kürzeste, vielleicht gar das einzige Mittel, zum Zwecke den ich mir vorbehielt — nämlich zum Arrangement meiner Privatangelegenheiten — zu gelangen, diese Reise ist, so glaube ich nicht, daß man mir, ohne die größte Inkonsequenz, einen Vorwurf daraus machen kann. In jedem Palle empfehle ich diesen Schritt Ihrer Pro­tektion, Ihrer günstigen Erklärung, Ihrem Wohlwollen, Ihrer Freundschaft für mich. Ich schreibe an Niemanden in Wien

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