Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 7. (Dritte Folge, 1911)

Gentz und Fasbender. Ungedruckte Briefe aus der Zeit von 1802 bis 1808. Mitgeteilt von Major Jacubenz

Gentz und Fasbender. 67 Bis auf welche Zeit Gentzens persönliche Bekanntschaft mit Fasbender zurückreicht, konnte an Hand der vor­handenen Quellen nicht ermittelt werden. Die „Tagebücher” geben darüber keinen genügenden Aufschluß; dort geschieht Fasbenders erst 1802, als Gentz nach Wien kam, dann nur noch bis 1805 Erwähnung. Wenn sich diese beiden Männer nicht schon voiher auf deutschem Boden kennen gelernt hatten, was ja immerhin möglich ist, dann wird gewiß der Gedankenaustausch zur Zeit ihrer Begegnung in Wien und die hiebei zu Tage ge­tretene Übereinstimmung in ihren politischen Anschauungen und Zielen zu jener freundschaftlichen Annäherung bei­getragen haben, die sowohl aus den Tagebüchern als auch aus den vorliegenden Briefen hervorgeht. Sagt Gentz in den Tagebüchern von 1803, „daß er sich in Ansehung der Geschäftsnotizen hauptsächlich an Fasbender halte”, so nennt er ihn 1805 bereits „seine beste Stütze” und „einen treuen Freund”; Ton und Inhalt der Briefe lassen aber keinen Zweifel zu, daß sein Verhältnis zu Fas ben der mit der Zeit ein freundschaftliches, durch­aus vertrauensvolles geworden war. Wenden wir uns nun der Person Fasbenders zu, über den die Ansichten fast ebenso geteilt sind wie über Gentz. Matthias von Fasbender war 1764 in Trier geboren, wo sein Yater als Hofrat in kurfürstlich trierschen Diensten stand. Er studierte die Rechte und wirkte dann als Professor für Reichsgeschichte in Mainz; 1790 kam er als trierscher Wahlbotschafter nach Frankfurt und erhielt bald darauf den Charakter eines wirklichen Hofrates. treffen in Wien in Kreisen verkehrte, deren Tendenz auf einen Bruch mit Frankreich gerichtet war; als er dort ungescheut seiner franzosen­feindlichen Gesinnung Ausdruck gab und die Politik der Monarchie einer scharfen Kritik unterzog, ja selbst auf Cobenzls Sturz im Wege des englischen und russischen Kabinetts hinwirkte — da konnte nicht allein von seiner Verwendung im Ministerium keine Rede sein, sondern man hielt ihn Überhaupt vom auswärtigen Amte fern. 1804 wollte ihn der Kaiser sogar aus dem Dienst entlassen. 5*

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