Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 7. (Dritte Folge, 1911)

Gentz und Fasbender. Ungedruckte Briefe aus der Zeit von 1802 bis 1808. Mitgeteilt von Major Jacubenz

68 J acub enz. Die Ereignisse des französischen Revolutionskrieges be­stimmten ihn, die Professur aufzugeben und in den Dienst der Reichskriegskanzlei einzutreten. Dort lernte ihn Erzherzog Karl kennen. Als Verfasser einiger publizistischer Schriften lenkte er die Aufmerksamkeit des Prinzen auf sich ; durch seine Anhänglichkeit an die Interessen Deutschlands und des Kaisers, aber dann durch Eifer und Tüchtigkeit erwarb er sich die Gunst und das Vertrauen des Erzherzogs in so hohem Grade, daß dieser ihn 1798 zum Reichsgeneralkriegskommissär ernannte. Als Erzherzog Karl 1801 an die Spitze der österreichi­schen Heeresverwaltung trat, berief er Fasbender nach Wien und erwirkte beim Kaiser seine Ernennung zum „Präsidialhofrat” in dem neuerrichteten Präsidialbureau des Kriegsministeriums; nach Errichtung des Staats- und Kon­ferenzministeriums im Jahre 1801 wurde er noch Staats- und Konferenzrat. Das neugeschaffene Präsidialbureau war hauptsächlich be­rufen, die Organisation des Kriegswesens und die eigentlichen Militäragenden zu besorgen, doch hatte sich der Erzherzog die Einsicht auch in die übrigen Dienstgeschäfte und die Entscheidung in allen wichtigeren Fällen Vorbehalten, wodurch das Präsidialbureau den Mittelpunkt des ganzen Dienstver­kehrs, sowohl innerhalb als auch außerhalb des Kriegs­ministeriums, bildete. War sonach die Stellung F asbenders als Chef dieses Bureaus schon an und für sich eine sehr einflußreiche, so war sie es in umso höheren Maße, zumal er als Vertrauensmann des Erzherzogs galt. Gegen die eingeleitete Reorganisation, namentlich des Hofkriegsrates, machte sich aber gleich am Beginn eine starke Strömung geltend, die immer mächtiger wurde; es erhoben sich Stimmen, welche die angebahnten Reformen, wenn auch ohne jeden Grund, als „eine von Fasbender ausgegangene Nachäffung des französischen Systems” be- zeichneten und besonders die Restituierung des Hofkriegs­rates in dem früheren Bestände für eine Notwendigkeit er­klärten. So war Fasbenders Stellung vorweg angefeindet und in Anbetracht der mächtigen Gegnerschaft, die bis in

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