Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 7. (Dritte Folge, 1911)

Gentz und Fasbender. Ungedruckte Briefe aus der Zeit von 1802 bis 1808. Mitgeteilt von Major Jacubenz

66 J acubenz die zustimmende Entscheidung des Monarchen erwirkt hat. Ob und inwieweit die Intervention des Erzherzogs auf den Einfluß des Hofrates Fasbender zurückzuführen ist, läßt sich freilich nicht feststellen, wohl aber bis zu einem gewissen Grade mit einiger Berechtigung annehmen. So wurde Gentz, auf den erneuerten Vortrag Collo- redos und Cobenzls hin, am 8. September 1802 vom Kaiser mit dem Titel eines k. k. Rates und einem Jahres­gehalt von 4000 fl. angestellt, ohne dadurch in ein bestimmtes Dienstverhältnis zu treten. Seine Arbeitskraft war für das österreichische Kabinett gewonnen, stand diesem fortan zur Verfügung, wurde indes in den ersten Jahren fast gar nicht benützt1). Wien, 10. September 1802. Durchlauchtigster Erzherzog! Gnädigster Prinz und Herr! Euerer königlichen Hoheit huldreiche Verwendung hat die Folge gehabt, daß des Kaisers Majestät mich unter Bedingungen, die ich ehren­voll und vorteilhaft nennen kann, in Allerhöchstdero Dienste auf­genommen haben. Ich statte Euerer königlichen Hoheit für die mir bei dieser Gelegenheit erwiesene unschätzbare Gnade, meinen tiefsten und ehrfurchtsvollsten Dank ab; aber ich unterstehe mich, ihn mit der Versicherung zu begleiten, daß es mein einziges und ausschließendes Bestreben sein soll, die gute Meinung, welche Euere königliche Hoheit von mir zu fassen geruhet, auf jede nur mögliche Art zu rechtfertigen. Auf diesen Punkt sind wie ich Euere königliche Hoheit dreist versichern darf, alle meine Gedanken gerichtet ; mich treibt, indem ich die gnädigen Anerbietungen Sr. Majestät des Kaisers annehme, durchaus kein anderes Motiv, als die Hoffnung, dieser großen, dieser ehrwürdigen, dieser inter­essanten Monarchie, mit deren Erhaltung und Flor in den jetzigen trüben und kritischen Zeiten, so viel Schätzbares, Großes und Heiliges auf Erden zusammenhängt, durch die äußerste Anstrengung aller meiner Kräfte, einige nützliche Dienste leisten zu können. Nur insofern, als dies mir gelingt, bitte ich Euere königliche Hoheit mir Ihren Allerhöchsten Beifall und Ihre allesbelebende Gnade zu verheißen, bis dahin aber mit huldreichem Wohlwollen die guten Vorsätze, die ich Allerhöchst- demselben zu F'üßen lege und den Ausdruck des tiefsten Respektes aufzunehmen, in welchem ich verharre Euerer königlichen Hoheit untertänigster, treu-gehorsamster Gentz. ') Wohl hatte Cobenzl anfangs die Absicht, ihn im Ministerium des Äußeren zu verwenden; als jedoch Gentz gleich nach seinem Ein-

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