Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 7. (Dritte Folge, 1911)
Gentz und Fasbender. Ungedruckte Briefe aus der Zeit von 1802 bis 1808. Mitgeteilt von Major Jacubenz
Gentz und Fasbender. 65 Tätigkeit gegenüber der offiziellen Politik Preußens befand, der überdies eher geeignet war, seine Stellung zu erschüttern als seinen politischen Ideen dort in absehbarer Zeit Geltung zu verschaffen; dazu seine traurige Ehe, die Zerwürfnisse in der Familie und nicht zum geringsten die vollständige finanzielle Deroute, die Bedrängnis, in die er durch Spiel und ein verschwenderisches Leben hineingeraten war und die nun auch seine gesellschaftliche Position bedrohte — dies waren Umstände, schwerwiegend genug, mn ihm den Aufenthalt in Berlin unerträglich zu machen und ihn eine Änderung seiner Lebensverhältnisse herbeisehnen zu lassen. Aber noch ein anderer Beweggrund wird bei Gentz mitbestimmend gewesen sein: aus dem Publizisten hatte sich in ihm schon längst der Staatsmann herausgebildet, der nunmehr nach bestimmtem Einfluß rang; diesen hoffte er in Österreich zu erlangen, weil hier allein noch ein kriegerischer Geist gegen die Revolution beziehungsweise gegen Frankreich zu finden war. Auch konnte er von Wien aus seine publizistischen Beziehungen zu England, die seine ergiebigste Einnahmsquelle bildeten, ungehindert aufrecht erhalten, wogegen dies in Berlin, bei der damaligen Politik des preußischen Hofes unmöglich war. So ließ er sich denn durch Stadion, in dessen Gunst er stand und der seine Begabung vollauf zu würdigen wußte, die Wege nach Wien ebnen. Am 20. Juni 1802 verließ er Berlin, um es nie wieder zu betreten; in Dresden kam er noch mit Metternich in Berührung, der damals österreichischer Gesandter am sächsischen Hofe war und der ihn gleichfalls an Cobenzl empfahl. Bekanntlich hat der Kaiser anfangs Gentz’Übernahme in österreichische Dienste abgelehnt; als dann nach einigen Tagen dessen Anstellung dennoch erfolgte, schrieb man diese Wandlung vermutungsweise dem persönlichen Einflüsse des Erzherzogs Karl zu. Ein bis jetzt unbekannt gebliebenes Dankschreiben1) Gentzens an den Erzherzog gibt nun die volle Gewähr dafür, daß es tatsächlich dieser Prinz war, der *) *) Diese,s Dankschreiben, erliegt unter den an F a s b e n d e r gerichteten Briefen im Kriegsarchiv und lautet wörtlich: Mitteilungen des k.undk. Kriegsarchivs. Dritte Folge. VII. Bd. 5