Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 7. (Dritte Folge, 1911)
Die Division Jellačić im Mai 1809. Quellenkritische Studie von Hauptmann des Generalstabskorps Wilhelm Wachtel
236 W achtel. In der Front bannte ihn der Anblick des angriffsbereiten stärkeren Gegners; an seinem rechten Flügel aber war der Kampf überhaupt schon zn weit gediehen, um noch abgebrochen werden zu können1). So traten denn auch hier jene sachlichen und psychologischen Schwierigkeiten zu Tage, welche bei dem von der Theorie oft empfohlenen Abbrechen von Gefechten in der Kriegspraxis meist hemmend mitwirken2). Während Jellacic noch mit dem Rückzug zauderte, führte der Gegner tatsächlich den gefürchteten überlegenen Schlag. Die erste Phase der geschilderten Operationen der Division Jellacic, die Behauptung des Pongaus hatte die Nachteile zu geringer aktiver Betätigung dargetan. Der Schlußakt der zweiten Phase, des Rückzuges nach Graz, wurde vielfach dem ersten Anschein nach als ein Mißerfolg allzu rücksichtslosen Geradeausgehens beurteilt. Allein das genaue Feststellen der Tatsachen hat auch hier erwiesen, daß nicht das tatkräftige Vorwärtsdrängen sondern wie im ersten Teile die operative, so diesmal die taktische Untätigkeit, das starre Verharren angesichts des Gegners aus Scheu vor eventuellen Verlusten, das Nachteilige war. Wirkten im ersten Falle die erhaltenen Befehle hemmend ein, so wurden hier die geschilderten psychologischen Vorgänge im Innern des Führers die Ursachen des mangelnden Erfolges. Mit deren einfachen Verurteilung ist jedoch wenig getan; es kommt vielmehr darauf an, sie zu erkennen und sich zu vergegenwärtigen, um dadurch den eigenen Charakter im Frieden derart zu schulen, daß er gegen solche Vorgänge im entscheidenden Augenblick gewappnet sei. Kurz nach der Vereinigung des FML. Jellació mit der innerösterreichischen Armee schilderte der Erzherzog Johann ihn dem Generalissimus Erzherzog Karl als: „nur ‘) Vergl. Seite 206. 2) Zu behaupten, Jellacic ,, Vorkehrungen während des Treffens waren alle sehr fehlerhaft” (Schneid awind, Prinz Eugen, 82, und ähnlich Schneidawind, Krieg 1809, II, 259), hat nach dem Geschilderten wohl keine Berechtigung.