Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 7. (Dritte Folge, 1911)

Die Division Jellačić im Mai 1809. Quellenkritische Studie von Hauptmann des Generalstabskorps Wilhelm Wachtel

Die Division Jellacic im Mai 1809. 237 in der Linie zu brauchen, brav vor dem Feinde, aber be­schränkt in seinen Kenntnissen” *). Nach all dem Vorangeführten bietet nun die Divisions­führung im Monat Mai keinen Anlaß zu einer solch scharfen Beurteilung. Allerdings läßt sich heute nicht mehr feststellen, wie weit das Zweckmäßige in den Maßnahmen des Divisions­kommandos in diesem Monat auf den Einfluß des General­stabschefs Hauptmann de Dort zurückzuführen ist. In seinen 1853 und 1854 geschriebenen Memoiren2) sagt Erzherzog Johann, daß ihn das Erscheinen de Lorts am 25. Mai in Graz3) unangenehm berührte, weil er ,,Jellacic und seine Unentschlossenheit und Langsamkeit kannte”, daher überzeugt war, es wäre „ein tüchtiger Offizier bei ihm not­wendig, um ihn zu leiten und seinen starren Eigensinn zu überwinden”. Dies ließe auf einen weitgehenden günstigen Einfluß de Lorts schließen. De Dort selbst tritt jedoch in dem nach dem Tode des FML. Jellacic geschriebenen Operationsjournal allerorts, so auch bei der Schilderung des Gefechts von St. Michael, warm für seinen schon damals mehrfach angegriffenen Kommandanten ein, dessen Person er überall in den Vordergrund stellt. Man muß demnach bei dem herben Urteil Erzherzog J ohanns wohl die bittere Enttäuschung in Rücksicht ziehen, die ihm die Niederlage bei St. Michael bereitete. Er hatte gehofft, daß ihn die Vereinigung mit der Division Jellacic neuerlich zur Offensive befähigen würde; diese Hoffnung war ihm nun zunichte gemacht4). ’) Erzherzog Johann an Erzherzog Karl, Könnend, 2. Juni 1809 (Graf Meran sches Archiv, Erzherzog Johann-Akten 1809, Nr. 1859). Auch die Brigadiere der Division beurteilt der Erzherzog hier sehr ungünstig: GM. Legisfeld als „schwach in jeder Rücksicht, zum Auswechslungsgeschäft gut, benahm sich in der letzten Affaire (augen­scheinlich Gefecht bei St. Michael) brav”; GM. Ettinghausen als „nur gut bei Depots, um weit vom Eeind Ordnung zu schaffen. Da wird er Ordnung schaffen”. (Ettinghausen litt an heftigem Rheumatismus, der ihm zeitweise selbst das Reiten unmöglich machte; vergl. seine Selbstbiographie in Zwiedineck, St. Michael, 35.) 2) Zwiedineck, St. Michael, 45. 3) Vergl. Seite 194. 4) Zwiedineck, St. Michael, 17. Gerade die hier geschilderten Operationen geben ein treffliches Beispiel dafür, wie sehr die spätere

Next

/
Thumbnails
Contents