Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 7. (Dritte Folge, 1911)

Die Division Jellačić im Mai 1809. Quellenkritische Studie von Hauptmann des Generalstabskorps Wilhelm Wachtel

Die Division Jellacic im Mai 1809. 233 Tatsächlich hätte auch bereits das Einhalten der an­geordneten Aufbruchstunde ein Vorbeikommen bei St. Michael bedeutend, wahrscheinlich auch völlig genügend, begünstigt1). Daß der Aufbruch jedoch, wie geschildert2), durch das Zusammenwirken einer Reihe widriger Zufälle beträchtlich verzögert wurde, konnte Jellacic wohl um so weniger verhindern, als er gerade an diesem Tage keinen Offizier seines Stabes bei sich hatte3). Den Weg von Traboch über Trofaiach nach Leoben soll Oberst Bach von de Vaux, der die Gegend kannte, dem FML. Jellacic am 24. Mai tatsächlich vorgeschlagen haben4). Dieser Weg ist um 1 hm länger als jener Traboch, St. Michael, Leoben5). Überdies besorgte Jellacic, da ihnen einen Nachtmarsch von 20 bis 30 km zuzumuten. Die gleichen Truppen marschierten am 25. Mai 20 km, fochten und standen dann ohne Rast bis gegen abends ; ihr dem Kampfe entronnenes Viertel machte nun einen Nachtmarsch von 60 km und am anschließenden Nachmittag noch 20 km. Dieses Viertel hinterlegte mithin in 36 Stunden 100 km und machte dazwischen ein Gefecht mit. Es ist dies wieder ein Beispiel dafür, wie schwer die Leistungsfähigkeit von Truppen zu beurteilen ist. Denn nach dem tatsächlich Geleisteten hätte die Division Jellacic einen Nachtmarsch nach St. Michael vom 24. zum 25. Mai, wenngleich mit einigen Verlusten, sicher bewältigt. Im vorhinein aber konnte dies natürlich nicht erwartet werden. x) Mautern--St. Michael = 20 km; heim Aufbruch um 4 Uhr 30 Min. früh konnte daher die Haupttruppe um 9 Uhr 30 Min. früh, die Naclihut (vergl. Seite 205, Anmerkung 3) um 11 Uhr 30 Min. vormittags St. Michael erreichen. 2) Vergl. Seite 196, 197. 3) Vergl. Seite 194, Anmerkung 4. Zwiedineck, Erzherzog Johann 33, sagt, Jellacic „ließ es auch an der nötigen Umsicht fehlen, damit der von ihm anbefohlene Aufbruch am 25. Mai wirklich zur Ausführung gekommen wäre”. Eine Kontrolle der Einhaltung der Aufbruchstunde wäre nur dadurch möglich gewesen, daß das Divisions­kommando spätestens von 2 Uhr 30 Min. früh an die Nächtigungsorte der Division durch seine Organe hätte abreiten lassen. Das ist wohl eine ganz besondere Ausnahmsmaßregel in einer besonders zugespitzten Lage, als welche Jellacic die seine weitaus nicht ansah. Daher kann vorstehender Bemerkung nicht beigestimmt werden. 4) Erzherzog Johanns Memoiren (Zwiedineck, St. Michael, 45). b) Die Behauptung in Erzherzog Johanns Feldzugserzählung, 133, der Weg sei kürzer, kann sich daher nur auf den damals unfahrbaren

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