Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 7. (Dritte Folge, 1911)

Die Division Jellačić im Mai 1809. Quellenkritische Studie von Hauptmann des Generalstabskorps Wilhelm Wachtel

234 Wachtel. er wohl über keine Karten verfügte, die ihn hierüber orientiert hätten, daß die Route der Benützung durch Geschütze und Fuhrwerke Schwierigkeiten entgegenstellen wür de1). Die Wahl dieses Weges hätte bedingt, St. Michael nach Abbrechen der dortigen Liesingbrücke durch eine kleine Gruppe so lange zu halten, bis das Passieren der Hauptkolonne durch Leoben gesichert war2). Zu einem solch komplizierten Vorgang sah sich Jellacic um so weniger veranlaßt, als er anscheinend bis nach dem ersten erfolgreichen Zusammenstoß bei St. Michael3) der Anschauung war, der Gegner von Süden könne am 25. Mai höchstens mit schwachen Kräften bis nach St. Michael gelangen4). Die Tatsache dieser Auffassung der Lage muß überhaupt bei Beurteilung der Maßnahmen des FML. Jellacic bis etwa zum Mittag des Kampftages stets im Auge behalten werden. Daß diese Auffassung keineswegs unbegründet war, wie dies heute, bei Kenntnis der beiderseitigen Lage, erscheinen könnte, zeigt eine kurze Überlegung. Gerade in den letzten Tagen vor dem Gefecht wurde Jellacic mehrfach durch nicht von Truppen kommende Meldungen arg irregeführt, so bezüglich eines feindlichen Abkürzungsweg beziehen, der etwa von der Mitte des Weges Traboch— Trofaiach direkt nach St.Peter führt; Erzherzog J ohanns Memoiren (Z wiedineck, St. Michael, 46). x) Ettinghausens Selbstbiographie (Z wiedineck, St. Michael, 30). ‘‘) Diesen Vorgang führen Erzherzog Johanns Memoiren (Zwiedineck, St. Michael, 46) an. Vaudoncourt, I, 305 und ähnlich auch de Labor de, 226, behaupten, J ellacic hätte noch während des Kampfes der beiderseitigen Vorhuten gegen 10 Uhr vor­mittags, vergl. Seite 200, mit dem Gros über Traboch—Trofaiach nach Leoben ausbiegen und diesen Marsch durch seine allmählich auf Traboch zurückgehende Vorhut decken können. Demgegenüber ist zu berücksichtigen, daß dann dem Gros des Korps Grenier die Straße über St. Michael nach Leoben offengestanden wäre, wo es nach Zeit und Entfernung Jellacic mindestens ebenso aufhalten konnte wie bei St. Michael. s) Vei-gl. Seite 205. 4) Ettinghausens Selbstbiographie (Z wiedineck, St. Michael, 30).

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