Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 7. (Dritte Folge, 1911)

Die Division Jellačić im Mai 1809. Quellenkritische Studie von Hauptmann des Generalstabskorps Wilhelm Wachtel

226 Wachtel. Kann nach alldem gegen die vordere Verteidigungslinie der Division wohl nichts eingewendet werden, so ist die Zer­splitterung der Reserve auffallend. Den räumlichen Verhältnissen nach hätten die in Hüttau, Wagrein und Radstadt verteilten Gruppen von Hüttau aus ebenso rasch an alle Punkte der Ver­teidigungslinie gelangen können; ihre Vereinigung hätte aber die Befehlgebung beträchtlich beschleunigt. Dessen war sich jedoch auch das Divisionskommando bewußt und begründete *) die vorgenommene Verteilung mit der Erleichterung der in dem armen Lande ohnehin schwie­rigen Verpflegung. Die Verteilung der Truppen auf mehrere Orte erleichterte die Aufbringung der Verpflegsmittel und verringerte die Notwendigkeit, in einem Orte etwa aufgebrachte nach einen anderen zu transportieren. Letzteres fiel um so mehr ins Gewicht, als FML. Jellacié das Gros des Divisionstrains durchs Ennstal nach Graz rückgesendet2) und die Landesbewohner ihre wenigen Fuhrwerke verschleppt und versteckt hatten3). Dieser Umstand sprach wohl auch beim Zurücknehmen des Gros der Reserve bis Radstadt, dem größten Orte dieser Gegend, mit; dazu kam aber noch, daß Jellacic dem Punkte deshalb besondere Bedeutung bei­maß, weil er sich von hier aus „nach Umständen nach Steier­mark, Kärnten und auch Tirol werfen” konnte4). Die Gruppierung der Division im Salzburgischen findet dem­nach in den sie bedingendenUmständen ihre volle Begründung8). ’) Operationsjournal 1. Mai. 8) Er traf schon am 17. Mai in Graz ein ; Kerpen an Erzherzog Johann, Graz, 17. Mai 1809 (K. A., F. A. 1809, Italien, Y, 175); nach Maretich, Struber, 20, wurde der Train am 28. April von Salzburg über Paß Lueg—Eadstadt nach Steiermark rückgeschickt, welche Zeit auch der Entfernung nach mit der Eintreffzeit vereinbar ist. Dieses Zurückschicken des ärarischen Trains sogar trotz bekanntem Mangel an Landesfuhren ist ein treffendes Beispiel jener so häufigen Angst vor Trainverlusten, die übersieht, daß man im Kriege, wo man den Verlust so vieler Menschen wagt, auch jenen einiger Fuhrwerke hinnehmen muß, wenn es den Zweck fördert. 8) Yergl. Seite 114, Anmerkung 2. 4) Jellacic an Hiller, Radstadt, 2. Mai 1809 (K. A., F. A. 1809, 6. Korps, V, 68, im Wortlaut bei Maretich, Struber, 113). 5) Auch beide Kommandanten, denen FML. Jellacic unterstand, fanden die Stellung für vollkommen zweckentsprechend. Hiller an

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