Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 7. (Dritte Folge, 1911)

Die Division Jellačić im Mai 1809. Quellenkritische Studie von Hauptmann des Generalstabskorps Wilhelm Wachtel

Die Division Jellacic im Mai 1809. 227 Ein nächster Vorwurf wendet sich gegen die geringe Tätigkeit der Division im Salzburgischen, besonders gegen das zögernde Vorgehen in den Pinzgau zur Unterstützung Ch asteier s. Die Gründe für dieses Zögern wurden schon im Ver­lauf der Darstellung auseinandergesetzt. Die rasche Vorrückung der Napoleonischen Hauptmacht gegen Wien und besonders die Verschiebung der ihm gegenüber gestandenen Division Wrede von Salzburg bis Lambach führten Jellacic begreiflicher­weise zur Auffassung, eine feindliche Offensive sei eher im Osten als im Westen seiner Stellung zu erwarten1). Diese Auffassung der Lage mußte Jellacic um so mehr von einem energischen Vorgehen in oder über den Pinzgau abhalten, als ein solches, wie gezeigt wurde, direkt gegen die strikten Befehle seiner beiden Kommandanten, Hiller und Erzherzog Johann, gewesen wäre. Diese rein sachlichen Gründe erklären die zögernde Unterstützung zur Genüge, so daß gar keine Ursache vorliegt, sie auf kleinliche Eifersucht gegen Chasteler zurück­zuführen 2). Daß Jellacic überhaupt gegen jedes engere Zu­sammenwirken mit Chasteler war, wird durch den Vor­J e 11 a c i c, Amstetten, 5. Mai 1809 (im W ortlaut bei Maretich, Struber, 116): „Aus dem Bericht des Herrn BML. dto. Radstadt, am 2. Mai, er­sehe ich die getroffenen Anstalten als den Umständen angemessen” Ähnlich Erzherzog Johann an Jellacic, Conegliano 6. Mai 1809 (im Wortlaut Anhang VII, 1. Absatz). J) Selbst die leitenden Stellen in Tirol hielten eine Offensive Lefebvres gegen J ellacic für wahrscheinlicher als gegen Tirol; H o r m a y r, Heer von Innerösterreich, 272. Sogar noch nach dem (lefecht bei Wörgl, als die Bayern eine Pause in ihrer Vorrückung im Inntal eintreten ließen, schrieb Hormayr ausBrixen, 15. Mai 1809, an Jellacic, es sei klar, daß die Bayern gegen Tirol nur demonstriert hätten, um sich nun mit voller Kraft gegen Jellacic zu wenden; Ettinghausens Selbstbiographie (Z w i e d i n e c k, St. Michael, 25). 2) Hormayr, Heer von Innerösterreich, 272, und ähnlich Hormayr, Andreas Hofer, 2. Aufl., II, 75. Dafür, daß eher die leiten­den Tiroler Stellen dem FML. Jellacic kein rechtes V ertrauen entgegen­brachten, spricht der Umstand, daß Hormayr sich sogar unterfing, Jellacic in einem Schreiben vom 7. Mai 1809 förmlich an seine Kapitulation von 1805 zu gemahnen (Hirn, Tirol 1809, 389). Vergl. auch Seite 102, Anmerkung 3.

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