Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 7. (Dritte Folge, 1911)
Die Division Jellačić im Mai 1809. Quellenkritische Studie von Hauptmann des Generalstabskorps Wilhelm Wachtel
Die Division Jellació im Mai 1809. 213 ersten Vortruppen Erzherzog Johanns standen 1). Hier, 60 1cm von St. Michael, sammelte sich am 26. Mai gegen 8 Uhr früh das Gros der Flüchtenden; es mußte endlich gehalten werden, um etwas zu rasten und besonders um abzukochen2), da die Truppen seit dem Morgen des 25. Mai nichts zu essen bekommen hatten. Noch am 26. Mai aber wurde der Marsch weitere 20 km bis Graz fortgesetzt, wo die Trümmer der Division bis abends eintrafen3). Statt einer intakten Division von 12.000 Mann stießen hier etwa 2000 ermattete, moralisch niedergeschlagene Soldaten zum Gros der innerösterreichischen Armee4). Viele der Flüchtenden gingen statt auf der Straße quer über die Berge gegen die Linie Frohnleiten, Graz; andere wieder hatten es vorgezogen, sich statt durch den Gewaltmarsch zunächst durch Verbergen im Gebirge zu sichern. Alle diese rückten erst in den nächsten Tagen zur Armee ein8). *) Die rückwärtigste Abteilung, also wahrscheinlich Teüe von Esterházy, trug den Belag der Murbrücke bei Frohnleiten ab (Operations- joumal 26. Mai). 2) Jellació an Erzherzog J o h a n n, Peggau, 26. Mai 1809, 8 Uhr früh (im Wortlaut Anhang XXX). Nach der Übersicht der Bewegungen und Gefechte des Jellacicschen Korps (K. A., F. A. 1809, 6. Korps, XIII, 128) hätte es den Anschein, als ob schon in Bruck eine Hast eingeschaltet worden wäre, was aber aus der Schilderung Ettinghausens nicht ersichtlich ist. Ein Aufenthalt hier konnte jedenfalls nicht lang gewährt haben, da das Gros der Flüchtenden die 60 hm St. Michael—Peggau trotz der Nacht in 15 bis 16 Stunden hinterlegte. 3) Übersicht der Bewegungen und Gefechte des Jellacicschen Korps (K. A., F. A. 1809, 6. Korps, XIII, 128); Ettinghausens Selbstbiographie (Z wie din eck, St. Michael, 36). 4) Welch ermüdeten Eindruck Mann und Pferd gemacht haben müssen, zeigt der Umstand, daß Erzherzog Johann gleich am 26. Mai den Pferden eine tägliche Zubuße von 1 Portion Hafer, Vs Portion Heu für 4 Tage bewilligte (Standestabelle für Mai 1809 des Chevaulegersregiments Nr. 3). 6) Erzherzog Johanns Feldzugserzählung, 134 ; Hormayr, Heer von Innerösterreich, 152 ; beide geben als Gesamtzahl der zur innerösterreichischen Armee Gelangten „keine 3000 Mann”. Analog sagt de L o r t s Privatjoumal, 27. Mai, „etwa 2500 Mann”. Die Angabe Vaudoncourt, 1,308, daß etwa 6000 Versprengte allmählich nach Graz einrückten, ist viel zu hoch gegriffen, wie seine Stärkeangabe für die Division Jellació überhaupt, vergl. Seite 198, Anmerkung 2. Schall-