Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 7. (Dritte Folge, 1911)

Die Division Jellačić im Mai 1809. Quellenkritische Studie von Hauptmann des Generalstabskorps Wilhelm Wachtel

212 W achte 1. Brücke notdürftig hergerichtet und von den übrigen 4 Kom­pagnien mit den 2 Kanonen passiert worden war. Danach eilten auch die Reste der 1. und 6. Kompagnie über die Brücke, von der nun die 18. Kompagnie unter dem feindlichen Feuer den hergerichteten Belagteil wieder abwarf1). Dann folgte auch diese Kompagnie dem allgemeinen Rückzug gegen Bruck. S e r a s besetzte nach Herrichtung der Brücke Leoben, wo er noch einen Teil des Trains der Division Jellacic erbeutete2). Damit endete die französische Verfolgung. Der Rückzug der Österreicher aber setzte sich den­noch die ganze Nacht hindurch bis Peggau fort, wo die (Y audoncourt, I, 308, sagt sogar 800j, worunter jedenfalls viele Nachzügler des Gros der Division waren. Wachtmeister Martin Scheit\ern von O’Reilly-Chevaulegers rettete hier den Bataillonsadjutanten Leutnant Michalovsky, dessen Pferd fiel, dadurch, daß er ihn zu sich aufs Roß nahm; (T h ü r- h e i m), Geschichte des 8. Ulanenregiments, 103; K. A., H. K. R. 1809, G 4, 186/45. 1) Seeliger, 152. Die Unterbrechung der Brücke dürfte nur geringfügig gewesen sein, da keine der französischen Quellen sie über­haupt erwähnt; Ettinghausen schreibt ausdrücklich : „Diese Brücke war schwer zu demolieren. Die Zeit war kurz, kein Werkzeug dazu bei Händen.” Auch Graf (bald nach 1809 Bürgermeister von Leoben), Nach­richten über Leoben, 164, erwähnt bei Schilderung des Rückzuges der Österreicher durch Leoben am 25. Mai nichts von einer Beschädigung der Murbrücke. 2) De Laborde, 226, duCasse, V, 129, V i g n o 11 e, IV, 1374, P e 1 e t, III, 207, und Sch neida wind, Prinz Eugen, 82, behaup­ten, Ser as hätte in Leoben den Train der Division Jellacic ge­nommen. Auch Erzherzog Johanns Feldzugserzählung, 134, lor- m a y r, Heer von Innerösterreich, 151, und Erzherzog Johanns Memoiren (Z wie din eck, St. Michael, 46) sagen, Jellacic hätte den ganzen Train verloren (erstere zwei führen dabei auch alle Ge­schütze als verloren an, was zweifellos irrig ist). Demgegenüber meldete Jellacic an Erzherzog Johann (AnhangXXIX) ausdrücklich, daß er die Bagage behalten habe. Wahrscheinlich waren nur einzelne Wagen des Trains, die nach dem über 30 hm langen Marsche aus dem Raume um Mautern in Leoben nicht mehr weiter konnten, hier stehen geblieben und Seras in die Hände gefallen. Für diese Annahme spricht auch, daß Eugen an Napoleon, St. Michael, 25. Mai 1890 (du C a s s e, V, 230), wohl die Gefangenen anführt, die Seras in Leoben machte, von einem genommenen Train aber nichts erwähnt.

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