Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs - Supplement. Erzherzog Johanns "Feldzugserzählung" 1809 (1909)
I. Kapitel (Vorgeschichte des Krieges)
28 kommen lassen, kann behandelt werden, wurde Mayer nach Brod, tief in Slävonien, als Kommandant gesendet und ihm zur Abreise der Termin von zweimal 24 Stunden gelassen ; unerwartet traf es ihn, hart und unbillig, man war zu weit gegangen; allein die Folge rechtfertigte die Ansichten dieses Mannes, zum Unglücke für Österreich, und jene, die ihn stürzten, traf ein gleiches Los; etwas, was der Erzherzog ihnen vorhergesagt hatte. Als Mayer fallen sollte, sprach der Erzherzog mitGrünne undWimpffen freimütig und sagte ihnen derb, daß die ganze Welt ihnen diesen Schritt als Folge von Privatleidenschaften zuschreiben würde; sie leugneten es nicht, schützten des Kaisers Wille und ein von ihm ausgefertigtes Flandbillett vor; der Erzherzog las es und sagte ihnen, er kenne die Hand, die es geschrieben hätte, es sei aus ihrem Bureau, den Kaiser würde dieser harte und unbillige Schritt bald reuen und ehe 6 Monate vergingen, würden sie folgen ; er irrte sich nicht. Mayers Sturz brachte eine vollkommene Umwälzung im ganzen hervor, alle bisher gehegten Pläne wurden verändert und dieses im letzten Augenblicke. Auf eine Operation mit gesamten Kräften aus Böhmen zielten alle Anstalten, nun sollte dieselbe an die Donau versetzt werden. Alle Truppen, Magazine waren in Böhmen, jetzt sollten sie an die Donau gebracht werden, in dieser Jahreszeit bei einer geringen Zahl von Verbindungsstraßen und in der letzten Frist; dieses verspätete den Ausbruch und selbst dann gab es zu manchen Verwirrungen Anlaß, die im Laufe des Feldzuges empfindlich wurden. Mayers Sturz und die Änderung des Operationsplanes und die Verwirrung in den Anstalten, die daraus erfolgte, war der erste Grund zu dem Unglücke, das Österreich traf. Mayers Stelle erhielt GM. Prochaska, einer der mittelmäßigsten Männer des Heeres, dessen Ideen gar nicht geordnet, dem es an Tätigkeit und Entschluß fehlte; er war aber nur eigentlich als eine Puppe zu betrachten, mit welcher jene ihr Spiel trieben, die Mayer stürzten und sich alle Gewalt und Leitung zueignen wollten, und dieses waren Graf Grün ne und Oberst Wimpffen. Ersterer hatte die unumschränkte Leitung des Kriegsgeschäftes seit Faßbender abgetreten war, nach und nach