Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs - Supplement. Erzherzog Johanns "Feldzugserzählung" 1809 (1909)

I. Kapitel (Vorgeschichte des Krieges)

29 hatte er sich emporgeschwungen und in seinem Platze be­festigt; er war kein Soldat, so lautete sein Ruf bei dem Heere, aber äußerst geschickt, verständig und schlau; die Liebe hatte er sich nicht erworben, weil man seinem Herzen nicht traute, an einem diplomatischen Platze hätte er gute Dienste leisten können. Wimpffen war ganz Soldat, tapfer, mit Kenntnissen begabt, aber eines unbeschränkten Ehr­geizes, dem er alles aufzuopfern fähig war; Napoleon zu überwinden, als sein noch größerer Gegner zu erscheinen, in den Tagebüchern der Geschichte eine große Rolle zu spielen, war, wonach er strebte, darum mochte er Napo­leon hassen. Wimpffens Kenntnisse und sein Ruf als Soldat bahnten ihm den Weg zu der Stelle Mayers, die er später bekleidete. Diese zwei Männer mögen wohl sich einen Teil der Unglücke zuschreiben, die Österreich trafen, wenn anders jenes bewährt bleibet, daß von denen, die die Leitung des Ganzen haben, durch die gemachten An­stalten der Erfolg abhängt. Am i. März entfernte sich der französische Botschafter Andréossy von Wien. Am 2. ging der Erzherzog nach Graz ab, von Graf Stadion schnell und erschöpfend unterrichtet, vom Kriegsministerium im letzten Augenblicke; ihm folgten die Korpskommandanten. Cha- steler kam den 2. in Klagenfurt, Gyulai den 3. in Lai­bach an. Von hier aus beschränkt sich meine Erzählung bloß auf jenes, was vorzüglich auf jenen Teil Bezug hat, der unter der Leitung des Erzherzogs stand. Dieser kam den 2. März in Graz an. In Innerösterreich wurde manches lau betrieben. Graf Saurau, der sich bloß mit der Oberintendant­schaft beschäftigte und das Ganze, was die Armee des Erz­herzogs selbst für das Ausland betraf, gerne sich zugeeignet hätte, behandelte die Vorbereitungen und Landwehrgegen­stände im Innern mit wenig Kraft; den Winter hindurch war wenig geschehen. FZM. Kerpen war desto tätiger in den ihm angeordneten Vorbereitungen. Er hatte die Landregimenter in Marsch gesetzt, die Pioniere fast ganz komplett errichtet, an die Kreisämter war die Aushebung der Pferde, Knechte und von 500 Hand­langern und Professionisten befohlen worden; sie sollten

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