Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs - Supplement. Erzherzog Johanns "Feldzugserzählung" 1809 (1909)

I. Kapitel (Vorgeschichte des Krieges)

27 Aus allen diesen Anstalten war zu ersehen, wie alles im letzten Augenblicke geschah; die Truppen konnten erst in den letzten Tagen des März eintreffen, daher war keine Rede von Operationen vor Anfang des April. General- quartiermeister Mayer hatte einen allgemeinen Plan ent­werfen müssen. Da das Ministerialbureau lange auf einem gespannten Fuße mit ihm stand, so wurden erst in den letzten Zeiten ihm die notwendigen Daten gegeben, sonst oft in der Unkenntnis der Ereignisse und Entschlüsse, bis sie nicht geschehen waren, gelassen; dies mochte den Mann kränken (seine leider große Unvorsichtigkeit im Reden konnte einige Ursache zu diesem Mißtrauen geben) und ihn zu Äußerungen veranlassen, die, selbst in vertrauten Zirkeln gehalten, doch hinterbracht wurden und nur noch mehr die Gemüter, die ihm abgeneigt waren, spannten. Mayers Plan ging dahin, das Hauptheer in Böhmen zu sammeln, an der Donau 2 Armeekorps aufzustellen, in Innerösterreich 2 ; selbst von diesen sollte nach Umständen 1 nach Salzburg gezogen werden. Er war für die Defensive; sollte offensive vorgegangen werden, so sollte es auf der kürzesten Linie aus Böhmen der Donau zu rasch geschehen, um den Gegner eher zu erreichen, als er gesammelt wäre; für die Offensive nach Tirol und Italien war er nur dann, wenn der Haupt­streich in Deutschland wäre geführt worden. Da, sagte er, müsse alles gebracht, dort mit gesamter Kraft entschieden werden. Mayer sah richtig, hätte man nur ihm gefolgt, alle Anstalten wurden zu diesem Endzwecke gemacht, alle Ma­gazine so angelegt, die vorzüglichsten in Böhmen. Manche andere Meinungen herrschten, diesen wider­sprach er und wurde selbst empfindlich; das Zusammen­treffen dieser Umstände gaben die beste Gelegenheit jenen, denen er im Wege stand, ihn zu stürzen; alle Triebfedern wurden in Bewegung gesetzt und er als ein bei so wichtig bevorstehenden Ereignissen gefährlicher und unzuverläßlicher Mann dargestellt. Die Sache wurde in der Stille betrieben und der Erzherzog erfuhr es erst im letzten Augenblicke; Vorstellungen zu machen war seine Pflicht, auch schonte er niemand, allein es nutzte nichts; auf eine Art, wie bloß ein Mann, der geg'en den Staat sich etwas zu Schulden hat

Next

/
Thumbnails
Contents