Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 6. (Dritte Folge, 1909)

Briefe des Feldzeugmeisters Paul Freiherrn Kray de Krajova et Topolya an seinen Bruder Alexander von Kray. Mitgeteilt und zu einer Lebensschilderung erweitert von Hauptmann Dr. Just - I. Abschnitt. Erziehung und militärische Laufbahn Krays bis zu seiner Anstellung in den Niederlanden 1793

90 Just. Pest, 15. August 1791. Liebster Bruder! Endlich befinde ich mich auch in Pest, wo ich gerade zurecht kam, den Sollemnitäten der Installation des Palatins beizuwohnen. Unsere Herren Landsleute haben mich mit wahrer Achtung und Distinktion empfangen und wußten beinahe mehr von meiner Kampagne als ich selbst, worauf sie, wie sie sagten, stolz sind, daß ein Ungar sich so besonders ausgezeichnet und ihnen Ehre gemacht hat. Ich meldete mich bei allen drei Erzherzogen, wovon mich Erz­herzog Franz1) mit gnädigsten Ausdrücken empfing und sagte: „Sie haben in diesem Krieg viel ausgestanden und dabei Ihre Gesundheit verloren, es wäre schade, wenn ein solcher General, den man so gut gebrauchet, dem Dienst entginge. Trachten’s Ihre Gesundheit herzustellen, um wiederum verwendet werden zu können.” Nicht wahr, liebster Bruder, das ist' schmeichelhaft, engagiert mich aber doch nicht, meinen Entschluß abzuändern. Unser Handwerk ist an sich undankbar und gefährlich; glücklich der mit Ehren seine Karriere endigen kann. Es ist gut, wenn man zuweilen merken läßt, daß man über Unbil­ligkeiten empfindlich ist; es nützt wenigstens für andere brave Männer. Ich bin mit meinem jetzigen Schicksal zufrieden. Daß der Frieden mit den Türken wirklich geschlossen, wirst Du ohnedem wissen. Außer Alt-Orsova und etwas an der Una bekommen wir nichts und geben alles Eroberte zurück. Mein Sohn Hanserl hat mir vor ein paar Tagen meine übrige Bagage anhero gebracht. Er ist so groß wie ich und wird vielleicht noch den Franzei überwachsen. Ich embrassiere etc. Paul Kray, GM. Pest, 30. August 1791. Wohlgeboren sonderschätzbarste, liebwerteste Frau Schwester! Da ich mein’, daß Ihnen vieles an der Austretung meines lieben Bruders gelegen ist, so mache hiemit bekannt, Der nachmalige Kaiser Franz (1792—1835).

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