Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 6. (Dritte Folge, 1909)

Briefe des Feldzeugmeisters Paul Freiherrn Kray de Krajova et Topolya an seinen Bruder Alexander von Kray. Mitgeteilt und zu einer Lebensschilderung erweitert von Hauptmann Dr. Just - I. Abschnitt. Erziehung und militärische Laufbahn Krays bis zu seiner Anstellung in den Niederlanden 1793

74 Just. Vermög einem unterm 11. (Mai) unterlegten unter­tänigsten Antrag, daß ich eine Rekognoszierung gegen Turn unternehmen wolle, um 1. zu prüfen, ob der Feind bei meiner Annäherung diese Festung nicht verlassen und nach Niko- poli sich ziehen wolle, 2. um die ganze Gegend von Uda bis Turn wegen aller sich irgend ereignen könnenden Vor­fälle genau zu kennen, 3. die feindliche Stärke zu Schiffe zu beurteilen, 4. einen etlich tägigen Naturalvorrat herbeizu­schaffen und endlich die Anzahl feindlicher Schiffe bei Niko- poliund die Situation dieser Festung mir zu eigen zu machen, bin ich den ] 3. mittags aus dem Udaer Lager mit 1 Bataillon des 2. walachischen Regiments nebst 5 Kanons und 600 Mann Kavallerie aufgebrochen. Ich traf gegen 5 Uhr nachmittags, ohne unterwegs auf einen feindlichen Posten zu stoßen, auf den Anhöhen von Fripci und Mägurelli ein, wo eine feind­liche Wache an der Brucken über einen Morast stand und bei unserer Wahrnehmung in die Festung Alarm gab. Kaum war ich mit der ganzen Truppe allda aufmarschiert, so rückte von Turn auf beiden Seiten ein beiläufig aus 400 Pferden bestandener Trupp aus, wovon der eine Teil die Brucken soutenieren sollt, der andere hingegen meine rechts sich genäherten Volontärs angriff, die aber gleich durch Husaren unterstützt wurden. Da sie gleich durch ein paar Kanonen­schüsse bewillkommt wurde, zog sich die feindliche Force an die bei Mägurelli befindliche Brucken. Ich ließ hierauf zwei Eskadronen Barcó-Husaren unter Anführung des Herrn Oberst­leutnants Levachich dahin anrücken, worauf der Feind die Brucken zu verlassen anfing. Die zwei Volontärs-Offiziers­abteilungen des Poga und Arnautenfähnrichs Janovich unter Anführung des Herrn Oberleutnants Kraitter fielen mit beson­derer Bravour dem Feind in die Flanken, wodurch selber zu weichen anfing, und ich diese gute Gelegenheit benützte, noch mehr Husaren und einige Dragoner unter dem Rittmeister Baron Wein von Savoyen-Dragoner dem Feind in die Flanken zu senden und wo möglich den Rückzug nach der Festung . zu verlegen. Auf diese Bewegung fing der Feind an heftig aus der Festung zu kanonieren, doch mit so schlechtem Er­folg, daß unsere brave Kavallerie handgemengs mit dem Feind bis in die Vorstädte und das Festungstor gelangte. WeileD

Next

/
Thumbnails
Contents