Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 6. (Dritte Folge, 1909)

Briefe des Feldzeugmeisters Paul Freiherrn Kray de Krajova et Topolya an seinen Bruder Alexander von Kray. Mitgeteilt und zu einer Lebensschilderung erweitert von Hauptmann Dr. Just - I. Abschnitt. Erziehung und militärische Laufbahn Krays bis zu seiner Anstellung in den Niederlanden 1793

Briefe des FZM. Paul Freikerrn Kray de Krajova. 75 aber die feindliche Kavallerie sich nicht gegen das Tor, sondern links und rechts hemm in die Häuser und Gärten warf, wodurch die feindliche Infanterie aus der Festung mit kleinem Gewehr gegen uns feuerte, so mußten wir uns mit dem Vorteile, dem Feind bei 80 Mann niedergehauen und in äußersten Schrecken gebracht zu haben, begnügen. Ich ließ also zum Rückzug blasen, weil gar keine Möglichkeit war, die zwar aufmarschierte Infanterie über die vielen Moräste und die weite Entfernung herbeizubringen. Aus der Festung wurde unabgesetzt ringsherum auch da, wo keine Truppen waren, kánoniért. Wir hatten auch deswegen nur 2 tote Barcó-Husaren und 1 Volontär nebst 10 blessierten Mann; an Pferden 6 tot und 8 blessiert, worauf ich mich auf die Mägureller Anhöhe postierte und bis spät in die Nacht vom Feinde fruchtlos kánoniért wurde. Obwohlen bis nun alle Nachrichten die dasige feind­liche Stärke nur auf 400 Mann angeben, so hat sich selbe doch seit unserer Vorrückung über 1000 Mann vermehrt. Ich kann Euerer Durchlaucht die bei dieser Affäre bezeigte Bravour und entschlossenes Betragen unserer Mannschaft nicht genug loben und anrühmen. Es war kein Offizier und Soldat, welcher nicht den Wunsch und die Begierde geäußert hätte, gerade auf die Festung loszudringen, wenn ich nicht selbst bei dieser Gelegenheit gesehen hätte, daß die Festungswerke von Turn gar nicht so verachtungswürdig seien, als man sie bisher schilderte. Der außerordentliche, diesen Abend und die ganze Nacht hindurch angehaltene Sturm und Regen hat mich verhindert, noch einen anderweitigen Versuch nachtzeits durch Infanterie, welche unter Kommando des Herrn Obristen von Heidendorf und Major Bedäus darauf brannte, auch ihrerseits dem Feind ihren Mut beweisen zu können, vorzunehmen, um die feindliche Contenance und ihre allfallsigen Dispositionen aus­nehmen zu können. Aus eben dieser Ursache blieb ich ganze drei Tage auf der Mägureller Anhöhe stehen, machte an­haltende Rekognoszierungen abwärts der Donau und auch gegen den Alutafluß, jenseits welchen ich aus Tiea eine starke Patrouille bis an der Donau unterhalten ließ, wodurch der Feind in Turn und Nikopoli so stark alarmiert wurde, daß

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