Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 6. (Dritte Folge, 1909)

Briefe des Feldzeugmeisters Paul Freiherrn Kray de Krajova et Topolya an seinen Bruder Alexander von Kray. Mitgeteilt und zu einer Lebensschilderung erweitert von Hauptmann Dr. Just - I. Abschnitt. Erziehung und militärische Laufbahn Krays bis zu seiner Anstellung in den Niederlanden 1793

Briefe des FZM. Paul Freiherrn Kray de Krajova. 57 wegen der deutschen Garde anständig oder ob Du noch auf einer Spitals- oder Fuhrwesensanstellung beharrst. Liebster Bruder! Es kommt jetzt darauf an, ob Du ganz in Ruhe sein oder Dich durch Anstellungen noch hin und her schieben lassen willst. Mein Rat wäre es, daß Du, wenn Du einmal dem Dienst entsagst, bloß die Ruhe zu Deinem Gegenstand fürwählen solltest, und dann müßtest Du aller Dienstambition oder Avancement entsagen. Deswegen dürfte auch die Ver­sorgung zur deutschen Garde die einzige und beste für Dich sein. Wenn Du aber mit einem höheren Charakter auszutreten wünschtest, so müßte es doch als pensioniert oder in Spitals­anstellung versucht werden. Tentare licet. Beratschlage Dich nochmals mit Deinem Obersten und komme sodann um Pension und den Majorstitel ein. Nun befinde ich mich schon in meinem Stabsquartier Orlath, wo ich mich von meiner Krankheit vielleicht erholen werde, denn hier habe ich gute Luft und Gemächlichkeit, aus­zuruhen. Mein Sohn Franzei liegt nur 1V2 Stunden von mir zu Hermannstadt im Quartier, den ich also oft zu sehen hoffe. Der Tonerl ist zwei Stunden von Kronstadt und ist schon in so kurzer Zeit der 7. Oberleutnant im Rang. Gott gebe ihnen nur Glück, daß sie ihre Köpfe behalten, die heuer hier in Siebenbürgen ganz leicht verloren gingen. Wie Gott will! Vielleicht mache ich einen Sprung nach Pest und Wien. Dann will ich Dich aufsuchen oder wenigstens unterwegs wohin bestellen. Pia desideria! Ich embrassiere Dich und bin mit wahrer Liebe Dein aufrichtigster Bruder Paul Kray, Obrist. Orlath, 22. Dezember 1788. Liebster Bruder! Auf Dein unterm 11. d. M. geäußertes Verlangen schließe ich Dir hiemit ein Schreiben an Deinen Inhaber, ein anderes an den kommandierenden General Graf Kinsky und das dritte an Deinen Obristen bei. Mich wird es ungemein erfreuen, Dich vom Kriegstheater entfernt die Ruhe genießen zu sehen, denn nach den Aspekten haben

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